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29.04.2000

Grünen-Politikerin fordert neuen Anlauf zu Gesundheitsreform: "Krankenkassen kein Biotop für unwirtschaftliches Handeln"

Magdeburg/Hamburg/München (MEDI-Report) - Einen neuen Anlauf in der Gesundheitsreform hat die Parlamentarische Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, Christa Nickels (Grüne), gefordert. Nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 14. Mai werde es "wieder Gesprächsbereitschaft von Seiten der Opposition geben", sagte Nickels der "Magdeburger Volksstimme" (Samstag). "Regierung und Opposition sollten sich dann zusammensetzen und sondieren, was gemeinsam in der Gesundheitspolitik im Interesse der Versicherten machbar ist."

Nickels versicherte, die Ost-Krankenkassen könnten in diesem Jahr mit deutlich höheren Hilfen aus dem Westen rechnen. Der gesamtdeutsche Finanzausgleich unter den Kassen werde nach Schätzungen der Spitzenverbände der Krankenkassen und des Bundesversicherungsamtes von 1,2 Milliarden Mark im letzten Jahr auf 2,7 Milliarden Mark erhöht.

In den kommenden Jahren erwartet Nickels stabile oder sogar sinkende Beitragssätze. Derzeit liege der durchschnittliche Beitragssatz im Westen bei 13,5, im Osten bei 13,8 Prozent. Wettbewerb unter den Kassen sei durchaus wünschenswert, betonte die Politikern. "Die Krankenkassen sollen ja kein Biotop für unwirtschaftliches Handeln sein."

Kritik übte Nickels am Vorschlag des Chefs des Verbandes der Angestelltenkrankenkassen (VdAK), Herbert Rebscher, Erfolgshonorare für Ärzte einzuführen. Rebscher habe keine Antwort darauf, wie dann Rosinenpickerei zu Lasten chronisch Kranker seitens der Ärzte verhindert werden könne.

Deutsche gegen Honorierung von Ärzten nach Erfolgen

Eine Mehrheit von 59 Prozent der Deutschen sind gegen den Vorschlag, die Honorare der Ärzte nicht mehr nach Menge der erbrachten Leistungen, sondern nach Behandlungserfolgen zu bemessen. Das ermittelte das Meinungsforschungsinstitut "dimap" (Bonn-Bad Godesberg) in einer repräsentativen Umfrage unter 1.100 Befragten für die "Bild"-Zeitung (Samstag-Ausgabe) und den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR).

Vor allem ältere Befragte im Alter von über 60 (64 Prozent) halten den Vorschlag, Ärzte nach Behandlungserfolgen zu bezahlen, für nicht angebracht. 34 Prozent der Befragt halten den Vorschlag jedoch für gut.

"Focus": Gesundheitssachverständige fordern Prämie für gute Ärzte

Dem gegenüber erneuerten Gesundheitssachverständige im Streit um die Ärztehonorare ihre Forderung nach Prämien für gute Ärzte. Dem Nachrichtenmagazin "Focus" sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrats für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen, Friedrich Wilhelm Schwartz: "Wir brauchen ein Bonussystem für Ärzte, die bestimmte Qualitätskriterien erfüllen." Mit finanziellen Anreizen könnten die Leistungen verbessert werden.

Das sei zwar flächendeckend und bei den meisten Krankheiten nicht möglich, aber bei bestimmten Erkrankungen seien feste Kriterien durchaus denkbar. "Die moderne Medizin kann bei sehr vielen Krankheiten sehr genau angeben, wie sie behandelt werden müssen." Praxen, die 90 Prozent ihrer Patienten mit Bluthochdruck auf verträgliche Werte stabilisieren könnten, sollten mit einem Zuschlag belohnt werden.

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