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27.04.2000 Steigende Knochen- und Gelenkerkrankungen: wachsende Kosten sind HerausforderungBaden-Baden (dpa) - Deutschlands Ärzte für Orthopädie sehen in der starken Zunahme von Knochen- und Gelenkerkrankungen eine globale Herausforderung. Die meisten Kosten für die Gesundheitssysteme der Industriestaaten würden durch Erkrankungen der Knochen und Gelenke verursacht, erklärte am Donnerstag der Präsident der deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Traumatologie, Prof. Fritz Uwe Niethard (Aachen).
Wie im Vorfeld der am Freitag in Baden-Baden beginnenden 48. Jahrestagung der Vereinigung Süddeutscher Orthopäden bekannt wurde, machen in Westeuropa Gelenkerkrankungen mehr als die Hälfte aller chronischen Erkrankungen bei über 65-jährigen aus. Rücken- und Kreuzschmerz seien mittlerweile die zweithäufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit. Osteoporotische Knochenbrüche hätten sich in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt, hieß es.
In Deutschland werden nach Angaben des Vorstandsmitglieds des Berufsverbandes der Ärzte für Orthopädie, Siegfried Götte (Unterhaching) die Folgekosten der Erkrankungen der Bewegungs- und Haltungsorgane bereits auf etwa 44 Milliarden Mark hochgerechnet. Bis zum Jahr 2030 würden sich allein die Osteoporose-Folgekosten von derzeit jährlich rund zehn auf 20 Milliarden Mark verdoppeln.
Die im Gesundheitsreformgesetz 2000 festgeschriebene Trennung von haus- und fachärztlicher Vergütung und die politisch gewollte Zurückführung flächendeckender fachärztlicher Kompetenz tangiert nach Angaben des Verbandes vor allem die Orthopädie. Als Kompetenzfach für Erkrankungen der Haltungs- und Bewegungsorgane gerate man in die Schere zwischen dem medizinisch Notwendigen und dem Machbaren der zugestandenen Versorgung.
Nachdem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wegen der steigenden Folgekosten dieser Erkrankungen die kommenden zehn Jahre zur Dekade der Knochen und Gelenke erklärt habe, seien die in Deutschland festgelegten Einschränkungen fachärztlicher Tätigkeit nicht nachvollziehbar, hieß es. Die angestrebte Verlagerung von Diagnostik und Therapie aus dem fachärztlichen Bereich lasse einen Qualitätsverlust in der flächendeckenden Versorgung erwarten. Nach Angaben Göttes ist die Zunahme von Fußdeformitäten und der Bereich der Osteoporose bereits eine Folge der Problematik unzureichender fachärztlicher Diagnostik. Nur durch Vorsorgeuntersuchungen bereits im Säuglingsalter, in der Pubertät und bei den 55-jährigen könne der Negativtrend gestoppt werden, hieß es.
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