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N A C H R I C H T E N

27.04.2000

Erfolgshonorare für Ärzte und Psychotherapeuten: Sollen gute Doktoren mehr Geld bekommen?

Berlin (Christine Möllhoff) - Im Streit um "Erfolgshonorare für Ärzte" wird munter aneinander vorbeigeredet. Vor allem der Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Angestellten-Krankenkassen, Herbert Rebscher, hat mit seinem missverständlichen Vorstoß für Verwirrung gesorgt: Die Ärztevergütung müsse auch vom Behandlungserfolg abhängen, forderte er und setzte nach: "Wir müssen doch den Ärzten finanzielle Anreize bieten, dass der Patient möglichst schnell wieder gesund wird."

Die Äußerung entfachte einen Proteststurm: Absurd, gefährlich und unmenschlich, empörten sich Ärzteverbände, Union und FDP und warnten vor einem "Honorar nach Heilungserfolg". Leidtragende wären chronisch Kranke und Schwerkranke. "Das wäre ein Schlag ins Gesicht der Patienten", schimpfte der frühere Gesundheitsminister Horst Seehofer (CSU) in der "Frankfurter Rundschau". Ein Arzt, der einen Grippepatienten behandele, werde damit besser gestellt als sein Kollege, der sich Jahre lang um einen Krebskranken kümmere.

Das allerdings ist eine Gespensterdebatte. Niemand - auch nicht Rebscher - denkt daran, Ärzten weniger Honorar zu zahlen, weil sie unheilbar oder chronisch Kranke behandeln und nicht Patienten mit schnell heilenden Zipperlein. Hinter dem Vorstoß steht vielmehr eine andere, bisher mehr in Expertenzirkeln diskutierte Frage: Wie kann man erreichen, dass Ärzte nach modernen Standards behandeln und möglichst gute Ergebnisse erzielen?

Die Sicherung der Qualität im Gesundheitswesen gilt vielerorts als unzureichend. Zwar sind Kassenärzte verpflichtet, sich regelmäßig fortzubilden. Aber niemand bestraft sie, wenn sie es unterlassen. Im Grundsatz sind sich alle einig, die Qualität und so auch Behandlungsergebnisse besser abzusichern. Dies sieht auch die zum Jahresanfang in Kraft getretene Gesundheitsreform 2000 vor. So sollen Experten jedes Jahr für zehn Krankheiten Leitlinien erarbeiten.

Zugleich verpflichtet das Gesetz Kassen und Ärzte, vor allem im ambulanten Bereich mehr für die Qualität zu tun. Gestritten wird um das Wie. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KÄBV) bastelt derzeit an einer Reform des Honorarsystems, die auch Qualitätsanreize setzt. Ein Weg: Ärzte, die sich bei an die jeweils anerkannten Standards für Diagnose und Therapie halten, sollen besser vergütet werden als Kollegen, die dies nicht tun.

Umstritten ist nun die Frage, ob auch gute Therapieergebnisse belohnt werden sollen und können. Relativ praktikabel scheint ein Erfolgsbonus noch bei Zahnärzten. So könnten Zahnärzte, die eine längere Garantie auf Plomben und Zahnersatz geben, besser honoriert werden. Schwieriger wird es bei Krankheiten. So ist im Gespräch, Ärzten, die etwa ihre Diabetes-Patienten im Durchschnitt "richtig einstellen", mehr Geld zu zahlen. Erste Pilotversuche in diese Richtung gibt es bereits.

Die Idee wird von Politikern, Ärzten und Selbsthilfeverbänden kontrovers diskutiert. Die Kassenärzte sperren sich nicht gegen solche Modelle, verweisen aber auf Grenzen und Probleme. So lasse sich der Therapieerfolg bei den meisten Krankheiten bisher kaum messen. Das Ergebnis hänge zudem nicht nur vom Arzt, sondern auch vom Kranken ab. Auch die Patientenstruktur spielt eine Rolle. Ein Mediziner, der seine Praxis in einem sozialen Brennpunkt hat, dürfte bei gleichem Können und Einsatz andere Ergebnisse erzielen als sein Kollege im ruhigen Vorort.

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