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26.04.2000

Internistenkongress: Bluthochdruck wird kaum richtig behandelt

Frankfurt/Main (dpa) - Höchstens ein Drittel der Deutschen, die unter Bluthochdruck leiden, wird nach Ansicht von Medizinern angemessen behandelt. Das hat der Hypertonie-Experte, Prof. Karl Heinz Rahn (Münster), am Mittwoch in Wiesbaden hervor gehoben. Trotz aller Bemühungen würden allenfalls 25 bis 30 Prozent der Patienten richtig behandelt, sagte der Vorsitzende der deutschen Gesellschaft für Innere Medizin im Vorfeld des 106. Internistenkongresses. Bluthochdruck kann zu vielerlei schweren, oft tödlichen Herz- und Kreislauferkrankungen, zu Infarkt und Schlaganfall führen.

Zur falschen Behandlung der Hypertonie (Bluthochdruck) tragen nach Ansicht Rahns Ärzte und Patienten gleichermaßen bei. Viele Bürger scheuten den Arztbesuch, so dass ihre Krankheit nicht erkannt werde. Viele Ärzte nähmen die erhöhten Blutdruckwerte aber auch nicht ernst genug, warnte Rahn.

Vom 30. April bis zum 3. Mai werden rund 12.000 Internisten aus Klinik und Praxis zum deutschlandweit größten medizinischen Fachkongress in Wiesbaden erwartet. Bei der traditionellen Tagung stehen Entstehung und Diagnose von Gefäßerkrankungen ebenso auf der Tagesordnung wie neue Forschungsergebnisse aus anderen Gebieten der Inneren Medizin sowie standes- und sozialpolitische Forderungen.

Rahn wandte sich gegen Forderungen des Verbandes der Angestellten- Krankenkassen, das ärztliche Honorar vom Erfolg der Behandlung abhängig zu machen. Was Erfolg in der Arztpraxis sei, sei kaum messbar. Bei chronischen, nicht heilbaren Krankheiten könne ebenso wie bei langwierigen Krankheitsverläufen ein Erfolg selten oder auch gar nicht vermeldet werden. Zudem könne kaum ein Arzt für die häufig mangelnde Mitarbeit des Patienten haftbar gemacht werden. Einsparungen für das Gesundheitswesen seien auf diese Weise nicht zu erreichen.

Wünschenswert ist dagegen nach den Worten des Internisten eine bessere Vorsorge in der Bevölkerung. Schon 30-jährige sollten zwei Mal im Jahr auf Bluthochdruck, Diabetes (Zuckerkrankheit), Nieren- und Stoffwechselerkrankungen getestet werden. Alle diese Krankheiten könnten zu schweren Schäden bei älteren Menschen führen, die für das Gesundheitswesen weit teurer seien als die zum Teil einfachen und preiswerten Blutdruck- oder Urintests.

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