N A C H R I C H T E N

25.04.2000

Ausweg aus der Krise des Gesundheitswesens? Lachtherapie soll gestresste Erwachsene wieder fröhlich machen

Heidelberg (Isabell Scheuplein) - "Ab Vierzig nimmt unsere Lachfähigkeit rapide ab, viele Menschen können dann nicht mehr herzhaft lachen und leiden darunter", sagt Florentina Ionescu, Lachtherapeutin aus Schriesheim bei Heidelberg. In "Lachseminaren" versucht die Heilpraktikerin seit drei Jahren mit Pappnasen, Grimassen und Witzen gestressten Leuten wieder zum Lachen zu verhelfen. Lachen sei eine entspannende und wichtige Körperfunktion, ohne die sich keiner wohl fühle. Mit täglichem Training könnten eingerostete Lachmuskeln aber wieder auf Vordermann gebracht werden, macht die 45-Jährige allen humorlosen Knochen jenseits der vierzig Hoffnung. Und ihre "Lachseminare" seien stets ausgebucht, sagt Ionescu.

Für Menschen, die in die Seminare kommen, ist das Lachen zu einer ernsten Angelegenheit geworden. "Ich bin oft alleine und habe nicht viel zu lachen", sagt die 63-jährige Krankenschwester Elisabeth. Lachen sei genauso gesund, wie der Volksmund es schon lange wisse, meint die Therapeutin Ionescu. Herzhaftes Lachen intensiviere die Atmung, aktiviere Glückshormone, kräftige das Immunsystem, beschleunige Denkprozesse, lindere Schmerzen - und nicht zuletzt stärke es sogar die männliche Potenz.

Vor allem zähle der "eiserne Wille" das Lachen wieder zu lernen. Und täglich ein paar Minuten Training, mahnt Ionescu an. Im Seminar wird zunächst die Lachmechanik geübt. Und das scheint geradezu lachhaft einfach. Die Teilnehmer lachen zwei Mal laut in der "Ha-Technik" drei Mal in der "Ho-Technik". Ungefähr so: "HaHa, HoHoHo" macht Ionescu vor. Auch Entspannungsübungen hat die Therapeutin im Repertoire - beispielweise mit geschlossenen Augen Tierlaute von sich zu geben. Die Übung schlägt voll ein. Manche Teilnehmer prusten nach wenigen Minuten los, andere lassen sich ein scheues Lächeln entlocken - immerhin. Um das Lachen später zu pflegen, empfiehlt Ionescu ganze Lachtage in der Familie, an denen ungehemmt gekichert werden dürfe.

Weitaus mehr Trainingsaufwand erfordere dagegen die Wiederherstellung der verloren gegangenen "humoristischen Lebenseinstellung". Der Tipp der Lachtherapeutin: Nehmen sie das Leben nicht zu ernst. Beginnen sollte man zunächst zu Hause mit einfachen Übungen, etwa Pappnasen aufsetzen, andere kitzeln, Witze erzählen oder einfach mal dem ewig nörgelnden Ehepartner die Zunge herausstrecken. Mit zunehmender Perfektion könne man dann auch den Arbeitskollegen im Büro gelegentlich einen Witz oder einen Scherzartikel auftischen. "Das ist das beste Mittel gegen Stress", sagt Ionescu.

"Ich habe mir fest vorgenommen, jetzt immer lachend nach Hause zu kommen", sagt die 43 Jahre alte Ärztin Regine nach einem Seminar. "Und ich werde in Zukunft einfach eine Grimasse schneiden, wenn sich jemand mit mir streiten will", meint die 48-jährige Ergotherapeutin Karin.

© dpa/MEDI-Report: www.medi-report.de

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