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20.04.2000

Bestseller im Volltext: Ratgeberverlag veröffentlicht seine Bücher im Internet

Hamburg (MEDI-Report) - Ein kleiner Verlag wagt, was die Großen der Branche sich nicht trauen: Der Ratgeberverlag aus Hamburg stellt alle seine Titel im Volltext ins Internet - kostenlos und für jedermann zugänglich beim Gesundheits-Portal almeda.de. Der erste dort veröffentlichte Titel "Ärztelatein im Klartext" schnellte schon nach kürzester Zeit auf Platz 1 der Amazon-Bestsellerliste.

Der kleine Hamburger Verlag und almeda.de zeigen damit, dass die Kombination von Internet und gedrucktem Buch tatsächlich funktioniert. "Oft wurden wir gefragt, ob wir uns damit nicht ins eigene Fleisch schneiden," sagt Iris Maschler, leitende Redakteurin des Ratgeberverlags. Das Gegenteil ist der Fall: Die Nachfrage nach der gedruckten Version stieg sogar deutlich an. Denn wer bisher nicht sicher war, ob ein bestimmtes Buch seine Erwartungen erfüllt, kann es sich im Volltext im Internet ansehen und darin schmökern - ganz ohne Verpflichtung. Und viele Menschen, denen ein Buch im Internet gefällt, kaufen anschließend die gedruckte Version: "Ein Computer mit Internetzugang eignet sich schließlich nicht unbedingt zur Bettlektüre oder zum Verschenken", so Maschler.

Ein Zitat aus dem "Ärztelatein im Klartext", Kapitel "In Saus und Braus - die eigene Praxis":
"Der Arzt ist reich, das weiß man doch und außerdem steht es allenthalben in der Zeitung. Ein paar Preisvergleiche dokumentieren das: Ein Pillen-Rezept kostet zwischen 2,40 und 7,80 Mark - die behördliche Bescheinigung für den Austritt aus der Kirche in der Regel über 30 Mark. Eine sterile intramuskuläre Spritze trägt dem Arzt nichts ein (bei Kassenpatienten) oder maximal 10,49 Mark (bei den teuren Privatpatienten) - das Ohrloch-Stechen beim Juwelier kostet 18 Mark für jedermann. Die eigenhändige Untersuchung eines Enddarms bringt dem Arzt zwischen 5,40 und 15,73 Mark ein - das entspricht im Schnitt dem Gegenwert einer Currywurst mit Beilagen. Die Wegepauschale für den Arzt beim Hausbesuch (zwei bis fünf Kilometer) beträgt 12,40 Mark - die Fahrtkostenpauschale der Telekom immerhin 70 Mark. Einmal künstliche Beatmung mit allem drum und dran macht im Notfall maximal 39,33 Mark bitteschön - für eine Dauerwelle beim Friseur reicht das bei weitem nicht."

Auch Christian Sachse, Chefredakteur von almeda.de, war von Anfang an vom Erfolg des Projektes überzeugt: "Die Medien Internet und Buch konkurrieren nicht, sondern können einander sinnvoll ergänzen. Davon profitiert vor allem der Verbraucher: Bei almeda lesen Konsumenten erst mal in das Buch hinein - und wenn ihnen das Werk gefällt, können sie sich in aller Ruhe zum Kauf entschließen. Mogelpackungen haben da keine Chance." Anders als beim EBM, der Gebührenordnung der Kassenärzte, die selten ein Patient kennt.

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