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19.04.2000

Ehemaliger Berliner Ärztekammer-Präsident Huber rügt "psychologische Kriegsführung": Große Kassen zahlen jeden Blödsinn

Berlin/Hamburg (MEDI-Report/dpa/ots) - Die Spitzen mehrerer Betriebskrankenkassen (BKK) haben die von Ersatz- und Ortskassen-Vorständen geforderten Wettbewerbsbeschränkungen im Gesundheitswesen zurückgewiesen. "Die großen Kassen wollen nur von ihren Management-Fehlern ablenken", sagte der Geschäftsführer der Securvita GmbH, Ellis Huber, der "Berliner Zeitung" (Dienstag). Die Securvita GmbH ist Trägerbetrieb der Securvita BKK.

Der ehemalige Präsident der Berliner Ärztekammer, dessen Betriebskrankenkasse seit 1997 laut Ersatzkassen-Angaben einen Mitgliederzuwachs von über 3.000 Prozent aufwies, warf den Repräsentanten der großen Krankenversicherer einen "anachronistischen Denkhorizont" vor: Statt neue Technologien wie etwa das Internet konsequent zu nutzen und über "ganzheitliche Medizin" Einsparungen zu erzielen, zahlten "die großen Kassen jeden Blödsinn und fordern danach seine Finanzierung", meinte Huber.

Den Vorwurf, die Betriebskrankenkassen suchten sich gezielt gesunde Mitglieder, wies Huber zurück: "Unsere BKK ist bereit, alle AOK-Versicherten zu übernehmen, wenn eine Kasse Konkurs geht. Wir sind aber nicht bereit, für die Fehler des AOK-Managements zu zahlen."

Auch der Vorstand der BKK Zollern-Alb, Thomas Bodmer, verwahrt sich gegen Behauptungen, es handele sich bei seiner Kasse nur um einen "virtuellen" Versicherer. "Unsere Krankenkasse wird von 43 Betrieben getragen und hat 23 Geschäftsstellen." Der Vorstand der BKK PwC Deutsche Revision, Peter Klufmöller, sagte, 65 Prozent der Beitragseinnahmen gingen in den Risikostrukturausgleich.

DAK-Chef Fruschki solle sich für "emotionalen Amoklauf" entschuldigen

Auf heftige Kritik sind die Äußerungen des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK), Hansjoachim Fruschki, gestoßen. Im Streit um die Finanzprobleme der Ersatz- und Ortskrankenkassen hatte der DAK-Chef angebliche Wettbewerbsverzerrungen durch die Betriebskrankenkassen kritisiert und sie vor Journalisten als "AIDS-Virus in der gesetzlichen Krankenversicherung" bezeichnet.

"Eine derartige Äußerung ist inakzeptabel. Wie kann der Vorstandsvorsitzende eines Unternehmens, bei dem der Mensch im Mittelpunkt stehen soll, solche Vergleiche benutzen? Wer so über andere Krankenkassen und ihre Mitarbeiter spricht, offenbart eine menschenverachtende Einstellung", sagte Ellis Huber, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Securvita, der Trägergesellschaft der bundesweiten Krankenkasse Securvita BKK.

"Die finanziellen Probleme der großen Ersatzkassen wie DAK, Barmer und Techniker, über die zur Zeit heftig diskutiert wird, rechtfertigen nicht einen derartigen Stil der Auseinandersetzung. Wer die Mitbewerber im Kassenwettbewerb als 'AIDS-Virus' charakterisiert, offenbart eine emotionale Aggressivität, die rationale Lösungen von Interessengegensätzen verhindert", betonte der frühere Präsident der Berliner Ärztekammer, Ellis Huber.

"Wir erwarten vom DAK-Vorstandsvorsitzenden, dass er seine Entgleisungen zurücknimmt und sich für den emotionalen Amoklauf entschuldigt. Solche Formulierungen und Vergleiche mit Krankheitserregern stammen eindeutig aus dem Sprachgebrauch der psychologischen Kriegsführung. Damit sollen Kontrahenten bewusst entwertet werden. Wir setzen uns für Solidarität und Mitmenschlichkeit im Gesundheitswesen ein", sagte Huber, der als Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Securvita (Gesellschaft zur Entwicklung alternativer Versicherungskonzepte) für seriöse Naturheilverfahren und Wahlfreiheit in der Krankenversicherung eintritt.

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