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17.04.2000

Freie Kassenwahl: Gewinner und Verlierer unter den Kassen

Hamburg (dpa/MEDI-Report) - Seit 1996 kann grundsätzlich jeder ohne Rücksicht auf seine Berufszugehörigkeit zwischen einer Vielzahl von Krankenkassen wählen. Vor allem jüngere und besser verdienende Versicherte wechselten zu preisgünstigeren Anbietern. Der Vorteil für Einzelne führte zu drastischen Veränderungen in der Kassenlandschaft.

Unter den gesetzlichen Krankenkassen haben vor allem die Betriebskrankenkassen von der Wahlmöglichkeit profitiert. Die 355 einzelnen Kassen haben sich im Bundesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) zusammengeschlossen, sind aber rechtlich, wirtschaftlich und organisatorisch selbstständig.

Mit einem Beitragssatz von derzeit durchschnittlich 12,6 im Westen und 12,7 Prozent im Osten sind sie günstiger als alle Konkurrenten. So zahlen seit dem 1. Januar 2000 ein BKK-Versicherter und sein Arbeitgeber im Westen im Schnitt 0,9 Punkte weniger als die Masse der Versicherten. Im Osten liegt der Satz sogar 1,1 Punkte unter dem Durchschnittssatz der GKV. 1999 haben die Betriebskassen bei insgesamt höheren Einnahmen und sinkenden Ausgaben je Mitglied ein Plus in dreistelliger Millionenhöhe erwirtschaftet.

Von 1996 bis Anfang dieses Jahres konnten die Betriebskassen ihre Mitgliederzahl von 5,2 auf 7,2 Millionen steigern. Mit insgesamt 10,3 Millionen Versicherten sind sie die drittgrößte Kassenart der gesetzlichen Krankenversicherung. Unter den Betriebskrankenkassen sind nach Angaben der Orts- und Ersatzkassenverbände zunehmend "Yuppie-Kassen", die mit Erfolg vorrangig gesunde, junge und zahlungskräftige Leute umwerben.

Nicht nur ganz große Firmen haben eine eigene Betriebskrankenkasse. Nach Darstellung des Verbands setzen auch "kleine und mittlere Betriebe auf diese Trumpfkarte". Ein besonderer Schwerpunkt liegt seit jeher in der Metallindustrie. Mittlerweile hat die Idee der Betriebskrankenkasse auch in anderen Branchen des verarbeitenden Gewerbes, in Handel, Banken, Versicherungen und öffentlichen Verwaltungen Fuß gefasst. Wegen der Nähe zu den Unternehmen nehmen die Betriebskassen für sich in Anspruch, zum Wohle der Versicherten ohne aufgeblähte Bürokratie wirtschaftlich und effizient zu handeln.

Obwohl ihr Beitragssatz mit 13,51 etwa identisch mit dem Durchschnitt der gesetzlichen Kassen ist, zählen auch die Angestelltenkassen zu den Gewinnern der Wahlfreiheit. Die Mitgliederzahl liegt bei 18,1 Millionen, rund 300.000 höher als vor vier Jahren. Bei den Angestelltenkassen versichert sind 25,3 Millionen Menschen. Zu den Großen und Gewinnern mit einem Zuwachs um nahezu 220.000 auf 3,246 Millionen Mitglieder gehören auch die insgesamt 30 Innungskassen. Sie sichern den Gesundheitsschutz von 4,6 Millionen Handwerkern und ihrer Familienangehörigen. Vorteile von der freien Kassenwahl hatten auch die Arbeiter-Ersatzkassen.

Größter Verlierer sind die Allgemeinen Ortskrankenkassen, von denen sich besonders viele "gute Risiken", sprich gesunde Mitglieder mit hohem Einkommen, abgewandt haben. Anfang Januar 2000 zählten die AOKs noch 20,081 Millionen Mitglieder - ein Minus von 1,772 Millionen im Vergleich zu 1996. Der durchschnittliche Beitragssatz liegt bei 13,84 Prozent - 13,74 im Westen und 14,22 im Osten. Der 1994 eingeführte Risikostrukturausgleich zwischen armen und reichen Kassen hat zwar die finanzielle Lage der Ortskrankenkassen etwas verbessern, nicht aber den Mitgliederschwund stoppen können. Auch den landwirtschaftlichen Krankenkassen haben viele den Rücken gekehrt.
(dpa/MR)
 
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