N A C H R I C H T E N 17.04.2000 Dein Doktor, das unbekannte Wesen: "Ärztelatein im Klartext"Hamburg (Caroline Bock) - Es gibt Dinge, über die man eigentlich gar nichts wissen möchte: Die Zutaten einer Currywurst, die Küchen von Restaurants oder was Ärzte in ihren Karteikarten notieren und mit Kollegen besprechen. Nun gibt es eine aktuelle Fassung von "Ärztelatein im Klartext". In dem Buch erfahren Patienten, dass zum Beispiel "OS" im Jargon für "Oral-Sau" steht, für jemanden, der sich nicht die Zähne putzt. Das Kürzel "c.p." heißt "Fauler Sack" (caput piger).Eine ganze Gruppe von Ärzten hat aus dem Berufsleben zusammengetragen, was nicht für Patientenohren bestimmt ist. So steht eine "klimakterisch akzentuierte, negative Vitalitätsschwankung" schlicht für eine "heulende, nervende Ziege in den Wechseljahren". Geht man dem Arzt mit einer epischen Krankengeschichte auf die Nerven, so ist unter Kollegen von "maligner Logorrhoe" (bösartigem Wortfluss) die Rede. Der Alkoholiker heißt im Jargon schlicht "C2" und wer stark übergewichtig ist, wird auch als "Adipositas permagna" ("dermaßen dick") bezeichnet. Kollegenschelte gab es für die Liste nicht: "Wir sind nicht angefeindet worden", sagt Bernd Mai, einer der Autoren. Stattdessen sei das Buch unter Ärzten ein beliebtes Geschenk, mit "einem Augenzwinkern", wie Mai sagt. Es sind "wolkige Worte, die zutiefst profane Dinge umschreiben" - wie etwa "forcierte Balneo-Therapie" für "das Ferkel muss dringend gebadet werden". Der Umgang mit Patienten, heißt es im Buch ironisch, erinnere zuweilen an die Vorlesung über den Geruchssinn und die rund 3.000 wahrnehmbaren Düfte. Was sich in der Welt der weißen Kittel noch hinter den Kulissen abspielt, erfährt der Leser ebenfalls in zum Teil entwaffnender Offenheit. So gibt es eine Antwort darauf, warum man immer so viel Zeit im Wartezimmer verbringt, was dem Arzt bei der Untersuchung durch den Kopf geht oder dass es für ältere Patienten eine höhere Pauschale gibt. Gleich auf zehn Seiten geht es um das Thema "Wie der Arzt an sein Geld kommt". Unter Patienten hält sich nach Meinung von Autor Bernd Mai immer noch der "Mythos", dass Ärzte reich sind. Langsam spricht sich laut Mai herum, dass Ärzte es schwerer haben als früher. So berichtet das Buch auch über die Probleme, eine Praxis wie ein Betriebswirt zu führen oder die Tücken und Längen des Medizinstudiums. Und Bernd Mai hat noch einen Begriff parat, der im "Ärztelatein" fehlt: "Invidia collegialis" - der Neid unter Ärzten, die sich gegenseitig nicht die lukrative Praxis gönnen. Buch-Tipp: Michael Dirk Prang, "Ärztelatein im Klartext. Was Ärzte ihren Patienten nicht sagen". Der Ratgeberverlag, 124 Seiten, 19,80 Mark. (dpa/MR) |