N A C H R I C H T E N 14.04.2000 Starke Zunahme der Krebsfälle erwartet: Bald häufigste TodesursacheTübingen (dpa) - Die Zahl der Krebspatienten wird nach Expertenmeinung in den kommenden Jahren deutlich zunehmen. "Tumorerkrankungen sind eine Erkrankung des Alters - im Jahr 2030 wird es doppelt so viele Tumorpatienten wie jetzt geben", sagte Prof. Michael Bamberg, Vorsitzender des Krebsverbandes Baden-Württemberg, beim 4. Patiententags für Krebskranke am Universitätsklinikum Tübingen am Samstag, den 08.04.2000. Durch die Verschiebung der Altersstruktur in der Bevölkerung werden laut Bamberg im Jahr 2010 Tumorerkrankungen als häufigste Todesursache weltweit gelten. Bamberg ist Leiter der Tübinger Strahlentherapie.Für Erfolge in der Krebsforschung sind nach den Worten von Helmut Braunwald, Geschäftsführer des Interdisziplinären Tumorzentrums (ITZ) in Tübingen, klinische Studien unverzichtbar. "Es wäre wünschenswert, wenn mehr Krebspatienten auf Mediziner zugehen würden, um in klinischen Studien behandelt zu werden", sagte Braunwald. Zudem seien bei jenen Patienten, bei denen neue Behandlungsmethoden angewandt werden, die Überlebenschancen oftmals höher als bei normal behandelten Krebspatienten. Beim Tübinger Patiententag bot das ITZ den 450 Teilnehmern Vorträge, Fragerunden, Führungen, Expertengespräche und Workshops an. Als weiteres Schwerpunktthema neben den klinischen Studien standen alternative Heilverfahren auf dem Programm. Bisher sei nirgendwo bewiesen worden, dass sie das Tumorwachstum unter Kontrolle bringen könnten, sagte Bamberg. Allerdings müsse ein Weg gefunden werden, um sowohl die klassisch-medizinische als auch die komplementäre Therapie zu vereinen. Diese umfasst unter anderem die Ernährung, sportliche Betätigung und Stressabbau. Drittes Schwerpunktthema war die Positronen-Emissionstomographie (PET). Mit diesem nuklearmedizinischen Untersuchungsverfahren können Stoffwechselvorgänge im Körper untersucht und sichtbar gemacht werden. Anhand der PET kann der Krebsherd festgestellt, das Krankheitsstadium bestimmt und frühzeitig das Ergebnis von Chemo- oder Strahlentherapie geprüft werden. "Die PET trägt auch zur psychologischen Stabilisierung der Betroffenen bei, da sie frühzeitig und verlässlich über die Krankheitsentwicklung informiert", erläuterte ITZ-Sprecher Prof. Lothar Kanz. (dpa/MR) |