N A C H R I C H T E N 14.04.2000 Versicherungen schließen Zwangs-Gentests für die Zukunft nicht aus: "Natürlich ist das ein Thema für die Branche."Berlin (dpa) - In der deutschen Versicherungswirtschaft werden obligatorische Gentests vor dem Abschluss von privaten Kranken- und Lebensversicherungen nicht ausgeschlossen. Nach der nahezu vollständigen Entschlüsselung des menschlichen Erbguts durch die US-Firma Celera Genomics Corp. sagte der Deutschland-Chef eines US-Assekuranzkonzerns in der heutigen Ausgabe der "Berliner Zeitung": "Natürlich ist das ein Thema für die Branche." Wenn sich Krankheiten durch Gentests vorausbestimmen ließen, werde die Risikoabschätzung und die Kalkulation der Prämien erleichtert. Allerdings tue sich die deutsche Assekuranz sehr schwer, das Thema an die Öffentlichkeit zu bringen.Ein Sprecher der Deutschen Krankenversicherung AG (DKV) sagte, wegen ihrer zurzeit relativ geringen Aussagekraft seien obligatorische Gentests bei der DKV "noch kein Thema". Aber "wir müssen das langfristig betrachten". Eine Sprecherin der Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sagte: "Wir verlangen auch weiter keine Gentests." Wenn aber in einigen Jahren die Forschung fortgeschritten sei und jeder einen Ausweis mit allen genetischen Informationen besitze, "muss die Branche neu nachdenken". Der Chef der Allianz Lebensversicherungs AG, Gerhard Rupprecht, erklärte, aus heutiger Sicht gebe es zwar "keinen Anlass, von sich aus die Durchführung eines Gen-Tests zu verlangen". Dennoch müsse die Branche "Optionen offen halten". Die Bundesregierung will jedoch genetische Zwangstests verbieten. Derartige Untersuchungen vor Abschluss von Versicherungsverträgen oder Arbeitsverhältnissen sollten "auch in Zukunft nicht verlangt werden dürfen", sagte Gesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) der "Berliner Zeitung". Der parlamentarische Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, Wolf-Michael Catenhusen (SPD), verwies auf eine entsprechende Vereinbarung im Koalitionsvertrag. Fischer sagte, der Fortschritt in der Biotechnologie dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass zwar immer mehr Ursachen für bestimmte Krankheiten entdeckt würden, die Entwicklung von Therapien, die diese Krankheiten heilen könnten, dem jedoch hinterherhinkten. (dpa/MR) |