N A C H R I C H T E N 12.04.2000 Umweltbundesamt: Jeder muss sein Lärmverhalten überdenkenBerlin (dpa) - Das Umweltbundesamt (UBA) in Berlin hat jeden Bürger aufgefordert, sein eigenes Lärmverhalten zu überdenken. "Jeder sollte sich selbst prüfen, ob er seine Geräuschentwicklung nicht reduzieren kann", sagte UBA-Lärmexperte Hans-Holger Bartel in einem dpa-Gespräch. "Nachbarschaftsbeschwerden nehmen zu, weil viele nicht zurückhaltend genug sind." Bartel äußerte sich zum dritten deutschen "Tag für die Ruhe" an diesem Mittwoch, der zeitgleich mit dem internationalen "Noise Awareness Day" stattfindet.Zu den vermeidbaren Lärmbelästigungen gehöre das Aufdrehen von Fernseher und Radio, das Reifen quietschen beim Beschleunigen und die Musikberieselung in Restaurants und Supermärkten. "Die Lärmentwicklung von Autos konnte reduziert werden, aber mehr Autos und mehr Kilowatt machen den Effekt teilweise wieder zunichte", sagte Bartel. Zudem benötigten stärkere Autos breitere Reifen, um die Kraft auf die Straße zu bekommen. "Breite Reifen sind ein bisschen lauter als schmale", hob Bartel hervor. Ein Problem sieht Bartel in den vielen unterschiedlichen Regelungen zur Lärmminderung in den EU-Staaten, den Bundesländern und den Kommunen. "Italiener haben ein anderes Verhältnis zur lauten Lebensfreude als wir", meinte er. "Wenn fortschrittliche Technik konsequent eingesetzt würde, wäre es allerdings überall eine Stufe leiser." Ausländische Lastkraftwagen aus Nicht-EU-Staaten beispielsweise erfüllten oft nicht die europäische Norm. Bartel zeigte sich skeptisch, ob "Tage der Ruhe" in der bisherigen Form genug Aufmerksamkeit erregen. "Wir Lärmschützer sind zu leise", meinte er. Andererseits sei schon viel geschehen, was sich an 15 DIN- Normen und VDI-Richtlinien, zwei Dutzend deutschen Gesetzen und Verordnungen und zwei europäischen Richtlinien zeige. Trotzdem litten nach wie vor 70 Prozent der Bevölkerung unter Straßenlärm, 40 Prozent unter Fluglärm und 20 Prozent unter Schienenlärm. (dpa/MR) Weitere Informationen zum Thema: |