N A C H R I C H T E N 29.03.2000 Sodbrennen: Vom Unbehagen zur KrebserkrankungFrankfurt/Main (Dietmar Telser) - Mit dem Essen kommen meist auch die Beschwerden. Ein brennendes Stechen hinter dem Brustkorb und saures Aufstoßen - bekannt als Sodbrennen. "Jeder vierte Deutsche leidet gelegentlich an Sodbrennen", sagt Gerd Lux, Chefarzt am Städtischen Klinikum Solingen.Als Sodbrennen wird ein Symptom der so genannten Refluxkrankheit bezeichnet. Dabei steigt vermehrt Säure (Reflux) aus dem Magen in die Speiseröhre. Eigentlich sollten die Muskeln des Zwerchfells sowie ein muskulärer Verschluss zwischen Speiseröhre und Magen verhindern, dass die Säure wieder nach oben kommt. Doch häufig ist die Funktion des Schließmuskels beeinträchtigt - nicht selten kombiniert mit einem unbemerkten Zwerchfellbruch. Sodbrennen ist jedoch meist harmlos, und wer selten darunter leidet, kann selbst etwas dagegen unternehmen. "Häufig hilft bereits eine Umstellung der Ernährung", so Monika Erdmann von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Frankfurt. Ratsam ist sicherlich ein begrenzter Genuss von Wein und Zigaretten: "Alkohol und Tabak können den Schließmuskel schwächen", so Lux. Betroffene sollten fettreiche Nahrung vermeiden. Fettes Essen bedeutet vermehrte Säure-Produktion, die dann in die Speiseröhre drängt. Auch sei es sinnvoll, das Essen auf mehrere kleine Mahlzeiten zu verteilen, rät Erdmann. Wer es schafft, sollte auf das Nickerchen nach dem Essen verzichten: Denn die horizontale Lage fördert den Rückfluss. Und um zu verhindern, dass das Sodbrennen auch noch den nächtlichen Schlaf raubt, reicht ein Erhöhen des Bett-Kopfendes. Manchmal klingen die Beschwerden schon ab, indem die überschüssige Säure neutralisiert wird. Erdmann empfiehlt Heilerde. Ein Teelöffel davon wird in lauwarmen Wasser aufgelöst. Ähnlich sollen Milch oder ein Teelöffel mittelscharfer Senf wirken. Eventuell kann die Einnahme von säurebindenden Medikamenten, so genannten Antazida, Linderung schaffen. Manche Ärzte empfehlen Mineralwasser mit niedrigem Natriumgehalt. Darin enthaltene Mineralien und Spurenelemente sollen die Magenmuskulatur anregen. Nicht ungewöhnlich ist, wenn schwangere Frauen über ein Brennen in der Speiseröhre klagen. Denn im letzten Drittel der Schwangerschaft erzeugt die vergrößerte Gebärmutter einen starken Druck auf den Magen. Außerdem kommt es durch die Umstellung im Hormonhaushalt zu einer vorübergehenden Erschlaffung des Schließmuskels. Auch mit zunehmendem Alter leiden Menschen vermehrt unter Sodbrennen. Durch die Gewebeerschlaffung lässt die Verschlusskraft nach, zudem besteht eine größeres Risiko eines Zwerchfellbruchs. Wer jedoch öfters als zwei- bis dreimal in der Woche unter Sodbrennen leidet, sollte diese Beschwerden nicht unterschätzen. "Chronisches Sodbrennen muss auf jeden Fall dauerhaft behandelt werden", sagt Henning Schulz von der Chirurgischen Universitätsklinik Marienhospital-Herne bei Bochum. Denn durch einen andauernden Kontakt von Magen- und Gallensäure mit der Speiseröhre kann es zu Entzündungen kommen. "Etwa zwei bis fünf Prozent der Patienten mit chronischem Sodbrennen leiden unter einer Speiseröhren-Entzündung", schätzt Lux. Mögliche Folgen sind Blutungen sowie Narbenbildung und somit Schluckstörungen. "Bei etwa einem Prozent der Erkrankten kommt es zu einer gefährlichen Veränderung der Speiseröhrenschleimhaut", sagt Lux. Dabei verändern sich die Zellschichten der Schleimhaut; Ärzte kennen das Phänomen unter Barrett-Schleimhaut. "Eine unnatürliche Umwandlung, die als Vorstufe einer Krebserkrankung gilt", so Schulz. Lux rät bei einer chronischen Erkrankung zunächst zu einer Magen- und Speiseröhrenspiegelung. Dann erst sollten stärkere Medikamente eingesetzt werden. So genannte Protonenpumpenblocker wirken gegen Entzündungen und hemmen die Säureproduktion. Verträgt der Patient das Medikament nicht, oder stellt sich nach einigen Wochen keine Besserung ein, muss operiert werden. Seit etwa acht Jahren vertrauen Ärzte in Deutschland auf die Methode der laparoskopischen Operation, bei der auf offene Bauchschnitte verzichtet wird. "Dadurch verspürt der Patient kaum mehr Schmerzen", sagt Schulz. Außerdem erhole er sich nach dem Eingriff rascher. Nach etwa fünf Tagen kann der Operierte oftmals bereits die Klinik verlassen. (gms) |