N A C H R I C H T E N

28.03.2000

Psychisch Kranke fordern freie Selbstbestimmung: Zwangsmedikation führt zu Spätfolgen

Trier (dpa) - Bei psychisch Kranken wird nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP) zu oft das Grundrecht auf freie Selbstbestimmung verletzt. In den meisten Kliniken bekämen Menschen bei Psychosen noch immer zwangsweise Medikamente, sagte die stellvertretende Geschäftsführerin des DGSP-Bundesverbandes, Michaela Hoffmann, am Montag im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Trier. Auf einer Tagung der Katholischen Akademie geht es bis Mittwoch um "Psychisch Kranke und Menschenrechte in Deutschland: Eine Herausforderung".

Als Folge der Zwangsmedikation bekämen viele Patienten jahrelang Medikamente, die sie nicht vertrügen, erklärte Hoffmann. Nach zehn bis 15 Jahren litten sie dann unter Spätfolgen wie Händezittern, Muskelkrämpfen oder unkontrollierbarem Speichelfluss. Viele Menschen mit Psychosen wie Schizophrenie, manischer Depression oder Verfolgungswahn lehnten die Einnahme von Medikamenten ohnehin ab, erklärte Hoffmann. Sie forderten, dass sich die Therapeuten stärker mit den Inhalten der Krankheit auseinander setzen.

Außerdem sollten Ärzte Behandlungsvereinbarungen mit ihren Patienten abschließen, sagte Hoffmann. In geistig klaren Phasen könnten die psychisch Kranken dann mit ihren Ärzten besprechen, wie sie bei ihrer nächsten Psychose behandelt werden wollen. Die Anstalt Bethel in Bielefeld sei eine der wenigen Kliniken in Deutschland, die seit Jahren derartige Vereinbarungen träfe. "Die Kranken sind so auf einer gleichberechtigten Ebene."