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27.03.2000

Verlangen und Liebe: Nur eine Frage der richtigen Chemie oder Praline?

Stuttgart (Thomas Niemann) - DARPP-32 heißt der Stoff, aus dem Gefühle entstehen. Nein - dabei handelt es sich nicht um eine neue Designer-Droge, die uns das Gefühl von Glückseligkeit nur vorgaukelt. Hinter der geheimnisvollen Bezeichnung verbirgt sich das körpereigene Protein, welches maßgeblich für unser sexuelles Verlangen verantwortlich ist. So die neuesten Erkenntnisse von Wissenschaftlern des Baylor College of Medicine in Waco, Texas ("Science", 11.02.2000, S.1053-1056).

Inzwischen versucht auch die Pharmaindustrie sich die Eigenschaften des Gefühlsproteins zunutze zu machen. "Innerhalb der nächsten fünf bis acht Jahre werden entsprechende DARPP-Medikamente auf den Markt kommen, welche bei ihren Anwendern sexuelles Verlangen stimulieren sollen“, sagt Bert O´Malley, leitender Molekularbiologe am Baylor College. "Für körperliche Belange in Sachen Sex leistet Viagra™ ohne Frage Großartiges, die emotionale Seite bleibt davon jedoch vollkommen unberührt."

"DARPP-32 reguliert den Dopamin-Haushalt im Gehirn, der die Chemie zahlreicher emotionaler Reaktionen steuert – wie etwa das Ausmaß sexueller Erregung“, bestätigten Wissenschaftler von der New York Rockefeller University vergangenen Donnerstag im Wissenschaftsmagazin Science.

Natürlich sind für die künftigen DARPP-Präparate auch andere medizinische Einsatzmöglichkeiten denkbar; beispielsweise die Behandlung von Parkinson, Schizophrenie und anderen psychischen Erkrankungen, denen eine abnormale Dopamin-Aktivität zu Grunde liegt. Romantiker werden das künftige Liebespräparat sicherlich in Pralinenform zu sich nehmen, denn Schokolade macht bekanntermaßen ebenfalls glücklich. (bdw)