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N A C H R I C H T E N

26.03.2000

Volkskrankheit Migräne: Jeder zehnte Deutsche ist betroffen

Schwerin (dpa) - Acht bis zehn Millionen Deutsche - und damit etwa jeder zehnte Bundesbürger - leiden nach Einschätzung der Migräne-Liga regelmäßig an starken Kopfschmerzen. Falsche ärztliche Diagnosen und unzureichende Beratung führten vielfach zu überhöhtem Medikamentenkonsum und häufig zu Abhängigkeit, sagte der Vorsitzende der Selbsthilfeorganisation, Nikolai Karhaiding, in einem dpa-Gespräch in Schwerin. Neue Wege in der Migräne-Therapie stehen deshalb im Mittelpunkt eines Symposiums, das die bundesweit etwa 3.000 Mitglieder zählende Liga an diesem Freitag in Schwerin veranstaltet.

"Migräne ist keine psychosomatische, sondern eine neurologische Erkrankung", sagte Karhaiding, selbst von der Krankheit betroffen und 1993 Mitbegründer der Liga. Wer wegen starker Kopfschmerzen zum Arzt komme, werde häufig auf einen langen und mitunter teuren Weg durch die Fachbereiche der Medizin geschickt. "Jeder Facharzt findet dann auch etwas - Probleme mit den Nebenhöhlen, Muskelverspannungen. Aber weil die Mediziner oft unzureichend auf das Krankheitsbild Migräne vorbereitet sind, werden häufig falsche Therapien angewendet", lautet das Fazit Karhaidings.

Erhebungen zufolge sucht nur ein Drittel der Migräne-Patienten überhaupt ärztlichen Rat. "Von den 1,3 Milliarden Mark, die in jedem Jahr mit Kopfschmerzmitteln umgesetzt werden, gehen gerade zehn Prozent auf Rezeptverordnungen zurück. Und aus Angst vor dem nächsten Anfall werden die Medikamente auch schon prophylaktisch geschluckt. Das aber ist der falsche Weg, der häufig in Medikamentenabhängigkeit endet", sagte Karhaiding.

Während im Kindesalter Migräne bei Jungen und Mädchen gleichermaßen verbreitet sei, würden junge Frauen nach der Pubertät - meist aus hormonellen Gründen - drei Mal häufiger an Migräne leiden als ihre männlichen Altersgenossen. Offenkundige Ost-West- Unterschiede gebe es nicht.

Kopfschmerztagebücher können laut Karhaiding auf bestimmte Auslöser der Migräneanfälle hinweisen, wie Veränderungen im Schlaf- Wach-Rhythmus, Stress oder der Verzehr bestimmter Lebensmittel. "Wer das erkennt, kann sich darauf einstellen. Denn Migräne ist nicht heilbar, sie ist nur linderbar", sagt der Vorsitzende der Migräne-Liga.
 
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