N A C H R I C H T E N 25.03.2000 Humangenetik: Weiterentwicklung von Mikrochips bringt FortschritteLübeck (Eva-Maria Mester) - Die Weiterentwicklung von Mikrochips wird der Molekulargenetik helfen, künftig selbst kleinste Veränderungen in der Genstruktur zu erkennen. Das ist nach Ansicht von Eberhard Schwinger eine der Erkenntnisse der 12. Jahrestagung der deutschen Gesellschaft für Humangenetik. Schwinger hatte als Präsident die Tagung, die am Sonnabend in Lübeck zu Ende ging, geleitet."Hier sind die neuesten Erkenntnisse aus den vielen Fachgebieten der Humangenetik wie Mosaiksteinchen zusammengetragen worden, die eines Tages ein neues Bild ergeben werden", sagte Schwinger. Die Tagung, an der rund 1.000 Wissenschaftler unter anderem aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA teilnahmen, sei "in wissenschaftlicher und in organisatorischer Hinsicht" ein großer Erfolg gewesen. Während der Konferenz wurde ein Mikrochip vorgestellt, der Chromosomenveränderungen abbilden kann, die selbst unter dem stärksten Mikroskop nicht zu erkennen sind. Das könnte bei der Erkennung von Schäden helfen, die für bestimmte geistige Behinderungen verantwortlich sein können. Ebenfalls neu und möglicherweise bahnbrechend ist nach Auffassung Schwingers die auf dem Kongress vorgestellte Erkenntnis amerikanischer Wissenschaftler über die Verdoppelung von Erbinformationen als Ursache von häufig vorkommenden Genmutationen. Vorgetragen wurden auch Erkenntnisse zur Rolle, die genetische Veränderungen bei der Anfälligkeit für die Immunschwächekrankheit Aids spielen. Es gebe zwar einen gewissen Prozentsatz von Menschen, die auf Grund ihrer genetischen Ausstattung nahezu vollkommen widerstandsfähig gegen eine Infektion mit dem HIV-Virus seien. Es sei allerdings noch zu früh, von einem Schlüssel zu einer Gentherapie gegen Aids zu sprechen, hieß es auf der Tagung. Ein großer Erfolg seien die öffentlichen Vorträge gewesen, mit denen Mediziner und Nicht-Mediziner zu Problemen der Genetik Stellung genommen hätten, sagte Schwinger. Prominentester Nicht-Mediziner unter den Referenten war Literaturnobelpreisträger Günter Grass. Er hatte am Freitagabend aus seinem Roman "Mein Jahrhundert" gelesen. "Diese Vorträge helfen, unsere Arbeit in der Öffentlichkeit transparent zu machen und ermöglichen dadurch eine sachliche Diskussion über Chancen und Risiken unserer Forschung", sagte Schwinger. |