N A C H R I C H T E N 24.03.2000 Volkskrankheit Rheuma: "Kompetenznetz" und Kinderaufklärung im Kampf gegen die VolkskrankheitBerlin (dpa) - Ein "Kompetenznetz Rheuma" soll künftig helfen, die schmerzhafte Gelenkkrankheit früher zu erkennen und besser zu behandeln. Außerdem sollen Kinder in Deutschland mit einer eigenen Aufklärungskampagne der Deutschen Rheuma-Liga informiert werden. Entsprechende Pläne wurden am Donnerstag in Berlin vorgestellt.Das vom Bundesforschungsministerium geförderte Kompetenznetz- Projekt solle Internisten, Orthopäden und Radiologen beim Rheuma- Patienten vernetzen, sagte der Parlamentarische Staatssekretär Wolf- Michael Catenhusen (SPD) bei der Präsentation. Die Chefärztin der Rheumaklinik Berlin-Buch, Prof. Erika Gromnica- Ihle, betonte, es sei falsch zu glauben, an Rheuma sterbe man nicht. Die demographische Entwicklung zeige auch deutlich, dass in absehbarer Zeit die Erkrankungen des Bewegungsapparates stark zunehmen werden, sagte Prof. Gerd-Rüdiger Burmester von der Berliner Charite. Im Kompetenznetz werden jetzt verschiedene Ebenen der Rheumatologie zusammengeführt. Dazu gehören die Grundlagenforschung, die Universitätskliniken, Rheuma-Krankenhäuser und Hausärzte. Insbesondere die niedergelassenen Ärzte sollen stärker informiert werden. Wichtiger sei aber, die langen Wege von der Laborbank zum Krankenbett zu verkürzen. "Verfahren, die vor 15 Jahren entwickelt wurden, werden erst jetzt bei den Kranken eingesetzt", sagte Prof. Andreas Radbruch vom Rheuma-Forschungszentrum. Das größte Problem sind die hohen Kosten der neu entwickelten Therapiemethoden. Neue Präparate, die das Hundertfache der bisherigen kosten, könnten allerdings Gelenkentzündungen stoppen, sagte Gromnica-Ihle. Auf Grund des gedeckelten Arzneimittelbudgets könne sie aber kein Hausarzt verschreiben. Hier seien für Ausnahmen die Prüforgane der Kassenärztlichen Vereinigung gefordert. Jährlich erkranken etwa 15 000 Kinder neu an Rheuma. Das Comic- Projekt "Rheumel - keep cool" der Deutschen Rheuma-Liga soll Kinder über die Krankheit informieren. Eine frühzeitige Erkennung ist für die Therapie besonders wichtig. Lexikon: Volkskrankheit Rheuma Millionen Deutsche leiden nach Angaben von Experten an rheumatischen Gelenkentzündungen. Rheuma (griech. "fließen") ist eine der ältesten bekannten Krankheiten überhaupt. Untersuchungen an Mumien haben gezeigt, dass Menschen bereits im alten Ägypten unter Erkrankungen an Gelenken, Knochen und der Muskulatur, den Sehnen, Bändern und Nerven litten. Die Griechen der Antike glaubten, dass die Beschwerden von Krankheitsstoffen hervorgerufen werden, die im Körper fließen. Heute weiß man, dass es mehrere hundert Rheuma-Arten gibt, die eine Vielzahl von Ursachen haben können: körperliche Überbelastung und Stress, Mangelernährung, Übergewicht oder Hormonstörungen. Einige Formen der Volkskrankheit, wie die Gicht, sind vererbbar. Ein Rheuma-Symposium im Februar in Münster brachte hinsichtlich der Behandlung einige neue Ergebnisse. Große Hoffnung setzen die Experten auf so genannte Tumor-Nekrose-Faktor-Blocker (TNF-Blocker), die das Fortschreiten der Gelenkentzündungen verhindern sollen. Auch eine neue Generation von Schmerzmitteln bereichert die Therapie- Möglichkeiten. |