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17.03.2000 Neues US-Verfahren verkürzt Implantation von Zahnersatz stark: Ein Tag statt acht WochenBerlin (dpa) - Ein neues Verfahren aus den USA kann das Einsetzen von Zahnimplantaten stark verkürzen. Dauerte es bisher acht Wochen, bis Patienten mit neuen Zähnen nach Hause gehen konnten, soll diese Zeit auf einen Tag verkürzt werden, sagten Zahnmediziner und Vertreter von Patientenorganisation am Donnerstag in Berlin auf einem Kongress der Universität Miami und des Klinikums Charite. Möglich wird die stark verkürzte Behandlung durch eine Kombination von neuartigen Kiefer-Haltestiften für den Zahn und den Einsatz von Blut- Wachstumsfaktoren zur schnelleren Wundheilung.
So genannte Osseotite-Implantationsstifte haben eine speziell aufgeraute Oberfläche, an denen Knochenzellen besser haften, erläuterte Richard Lazzara von der Universität von Maryland (USA). Diese Stifte werden bislang bei der Implantation künstlicher Zähne eingesetzt und sollen auch dort die gesamte Behandlungsdauer von drei bis sechs Monaten auf acht Wochen verkürzen. Die Kombination mit Thrombozyten-Wachstumszellen, die aus dem Blut des Patienten gewonnen werden, könnten den Heilungsprozess noch einmal enorm beschleunigen, sagte Peter Zeitz, Präsident der Deutschen Zahnhilfe (Düsseldorf).
Dabei wird dem Patienten ambulant etwa zwei Schnapsgläser voll Blut abgenommen und daraus per Zentrifuge die Wachstumszellen extrahiert, erläuterte der Amerikaner Robert Marx (Universität von Miami). Dieses Thrombozyten-Konzentrat, auch "plättchenreiches Plasma" (PRP) genannt, werde über den Implantationsstift und in das Kieferloch für den Stift geträufelt. "Die Heilung der Wunde beginnt gleich auf einem hohen Niveau", meinte Marx. Die Ergebnisse der Zahnimplantation seien gerade bei Patienten mit schlechter Knochenqualität wie Diabetikern und Rauchern oder bei Unfallpatienten besonders gut.
Deutsche Krankenkassen übernehmen nicht die Kosten für die neue Methode, wie Zahnersatz insgesamt nicht bezahlt werde, betonte Zeitz von der Patientenorganisation Deutsche Zahnhilfe. Die Mehrkosten für die Gewinnung des Wachstumsfaktoren-Konzentrats wurden mit 1.000 bis 1.500 Mark beziffert.
Nach Angaben des Münchner Zahnarztes Markus Hürzeler sind in Deutschland in den vergangenen zwölf Monaten etwa 60 Patienten mit der Kombinationsmethode behandelt worden, davon 20 gänzlich Zahnlose. Der Amerikaner Marx sagte, in den USA bestünde Erfahrung mit etwa 700 Patienten.
In Berlin sollen bis einschließlich Sonntag rund 300 deutsche Zahnärzte und Kieferchirurgen in Workshops mit der neuen Methode vertraut gemacht werden. An diesem Freitag sollen in einer Demonstrationsvorführung einer Patientin, die sämtliche Zähne des Unterkiefers verloren hat, die PRP-benetzten Stiftimplantate eingesetzt werden. Bereits zehn Stunden später könne der inzwischen in einem Zahnlabor gefertigte Zahnersatz aufgesteckt werden. |