N A C H R I C H T E N

17.03.2000

Aus Afrika die Tiefkühltheke: Gourmets entdecken Straußenfleisch

Schenefeld/Mariental (Oliver Abraham) - Herz- und Kreislauferkrankungen sind in Deutschland die Todesursache Nummer eins. Zu fettes Essen und zu viel Cholesterin können dafür verantwortlich sein. Wer gern Fleisch isst und auf eine gesunde Ernährung achten möchte, braucht den Kopf aber nicht in den Sand zu stecken: Denn ein Filet oder ein Steak vom Strauß ist nicht nur eine leckere, sondern auch gesunde Alternative zum normalen Stück Fleisch. Inzwischen ist das dunkle Fleisch vom größten Vogel der Welt auf dem Weg, ein Renner in der Tiefkühltheke zu werden.

Als die Schloß Göhrde Tiefkühlproduktion aus Schenefeld bei Hamburg vor 15 Jahren erstmals Straußenfleisch auf den Markt brachte, handelte es sich dabei um eine exotische Rarität, die nur wenige Feinschmecker beeindruckte. Noch immer gilt das Steak oder das Filet aus der Straußenkeule als eine besondere Delikatesse, obwohl die 400-Gramm-Packung für weniger als zehn Mark im Einzelhandel zu bekommen ist. Aber inzwischen kommen die Deutschen auf den Geschmack.

Seit zum Beispiel die Fleischimporteure der Firma Ranch Master aus Wunsdorf bei Hannover vor drei Jahren begannen, den Appetit auf Strauß zu stillen, stieg die Nachfrage beständig. Firmen-Sprecher Klaus Carstensen hat aber auch beobachtet, dass dieses Fleisch immer häufiger auf die Speisekarten der Gastronomie rutscht. Inzwischen findet es sich sogar auf den Mensaplänen der Uni Bielefeld.

Wie viele Tonnen jährlich aus den Produktionsländern - in erster Linie Südafrika und Namibia - nach Deutschland importiert werden, kann Albert Hamp vom Bundesministerium für Landwirtschaft in Bonn nicht genau beziffern. Strauß wird in den Statistiken unter einer Sammelrubrik geführt. Doch auch Hamp beobachtet, dass die Import-Menge ständig steigt.

Ebenfalls hochzufrieden ist Rainer Diermann vom Bielefelder Handelsunternehmen AVA mit der Delikatesse aus der Savanne Afrikas. Seinen Informationen zufolge greifen die Kunden an der Tiefkühltruhe mittlerweile doppelt so häufig zu Strauß wie beispielsweise zum Rindersteak aus Argentinien, auch Lamm liegt abgeschlagen hinter dem Großgeflügel. Abgeschreckt von etlichen Fleischskandalen ist der Kunde auf der Suche nach skandalfreiem Fleisch, und Strauß hat in dieser Beziehung eine weiße Weste. "Wenn die Leute schon Fleisch essen, dann machen sie mit Straußenfleisch nichts verkehrt", meint die Diplom-Ökotrophologin Claudia Heinemann aus Gütersloh.

Gezüchtet werden die wehrhaften und bis zu drei Zentner schweren Laufvögel in den wüstenartigen Landschaften des südlichen Afrikas, zum Beispiel in der Kleinen Karoo in der Republik Südafrika. Das Zentrum der namibischen Straußenfleischproduktion ist der Ort Mariental im Herzen des Landes. Das warme und trockene Klima dieser Region bekommt den Tieren am besten. Die Tierherden leben in riesigen Gattern in der Umgebung der Zucht- und Schlachtanstalten. Hennen legen bis zu acht der rund anderthalb Kilogramm schweren Eier in eine Bodenvertiefung. Ein Straußenei entspricht etwa 24 Hühnereiern.

In einem Brutraum werden die Eier ausgebrütet. Sind die Küken geschlüpft, werden sie gewogen und versorgt. Die Jungtiere wachsen bis zur Schlachtreife in einem anderen Gehege auf. 12 bis 14 Monate dauert es, bis aus einem Küken nach intensiver Fütterung ein schlachtreifes Tier geworden ist. Die Aufzucht steht unter veterinärmedizinischer Überwachung, um die Produktion von gesundem Fleisch sicher zu stellen - eine Voraussetzung für den Export nach Europa.

Da der Export von lebenden Tieren durch Nachzucht zu Konkurrenz in anderen Ländern führen kann, wird in Südafrika und Namibia selbst geschlachtet. Tiefgefroren treten Steak und Filet dann den Weg nach Europa an. Mit dem hier zu Lande bekannten Geflügel hat Straußenfleisch nichts gemein, das saftige Filet erinnert mehr an Rind. Einen Versuch sollte es jedem Fleischliebhaber wert sein, schließlich ist Strauß auch problemlos zuzubereiten.

Rezept-Idee:

Die Steaks schonend auftauen, abwaschen und trocken tupfen. Salzen, pfeffern und nach Belieben mit Kräutern, zum Beispiel Rosmarin, bestreuen. Butterschmalz oder Olivenöl in einer Pfanne heiß werden lassen, die Steaks von jeder Seite ungefähr vier Minuten braten. Schön saftig und innen ein bisschen rot, schmecken sie am besten.

Dazu passen Folienkartoffeln und Knoblauch- oder Kräuterbutter. Eine interessante Beilage ist auch Kürbis: Dazu werden die Kerne entfernt und der Kürbis in Würfel geschnitten. Zusammen mit Salz, Pfeffer und Knoblauch und einem Stückchen Butter wird der Kürbis in Alu-Folie gewickelt und für 25 Minuten in den auf 200 Grad vorgeheizten Backofen geschoben. Zum südafrikanischen Strauß passt ein trockener südafrikanischer Weißwein.