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N A C H R I C H T E N

29.02.2000

Killerzellen mit Impfung gegen den Krebs aktivieren: Tübinger erproben Immuntherapie

Tübingen (dpa) - Eine neue Impfmethode gegen Krebs hat nach Angaben der Universität Tübingen erste Erfolge gezeigt. "Mit einer individuellen Impfung könnte es möglich werden, das Immunsystem von Krebspatienten gegen die Tumorzellen zu aktivieren", berichtete die Hochschule am Montag. Bei der Therapie setzen die Mediziner Eiweißbruchstücke (Peptide) aus Krebszellen ein und aktivieren so das Abwehrsystem gegen den Tumor.

Die Therapie, die zum Großteil noch im Stadium der Grundlagenforschung steckt, wurde an zehn Patientinnen mit Brust- oder Eierstockkrebs erprobt. Ihnen konnte mit anderen Methoden nicht mehr geholfen werden. "In fünf Fällen bildeten sich spezifische T- Killerzellen, die die Peptide aus den Tumoreiweißen erkennen", sagte der Mediziner Peter Brossart. Bei einer Patientin mit Brustkrebs hätten sich nach der Impfung die Metastasen zurückgebildet; bei einer anderen sei der Krebs stabil geblieben. Die Mediziner wollen künftig Krebspatienten bereits in einem frühen Stadium der Erkrankung impfen, wenn das Immunsystem noch intakt ist.

Die Abwehrzellen des Körpers erkennen Krebszellen normalerweise an bestimmten Eiweißstrukturen auf ihrer Zelloberfläche und vernichten sie dann. Allerdings registriert das Immunsystem aus unbekannten Gründen nicht alle Krebszellen.

Die Tübinger Forscher um den Biochemiker Stefan Stevanovic haben Eiweißbruchstücke aus Krebszellen im Labor auf die Oberfläche von Blutzellen der Patientinnen gesetzt und die Zellen wieder in den Körper gespritzt. Gegen diese nun auf neue Weise präsentierten Tumor- Eiweißstücke bildete das Immunsystem der Patientinnen bestimmte Abwehrzellen (T-Zellen), die den Tumor angreifen können.

Weltweit versuchen viele Mediziner das Immunsystems zum Kampf gegen Krebszellen einzusetzen. So haben Bochumer Biologen mit Botenstoffen (Zytokinen) das Immunsystem von Mäusen gegen Krebs aktiviert. Ärzte in Homburg (Saarland) testen einen Impfstoff gegen eine nur auf Tumorzellen vorkommende Eiweißstruktur (HOM-MEL-40).

Stevanovic erforscht seit über zehn Jahren, wie Zellen das Immunsystem aktivieren. Er hat nach Angaben der Universität für einige tausend Peptide die Regeln entdeckt, wie Peptide von MHC- Molekülen auf der Zelle präsentiert werden.

 
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