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N A C H R I C H T E N
29.02.2000 30.000 Psychotherapeuten zugelassen - 15.000 rechnen mit Kassen abBerlin (dpa) - In der Bundesrepublik haben nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT) 30.000 nicht-ärztliche Psychologen die staatliche Zulassung nach den neuen Regeln des Psychotherapeutengesetzes erhalten. Doch etwa nur die Hälfte von ihnen seien auch für die Abrechnung mit Kassen zugelassen, sagte DGVT-Ausbildungsleiter Steffen Fliegel am Dienstag in Berlin. Die Zahlen würden sich noch ändern, meinte Fliegel auf dem 13. Kongress für Klinische Psychologie, da viele Psychotherapeuten, die nicht die Kassenzulassung erhielten, dagegen klagen würden.
Wegen der stark gestiegenen Zahl kassenzugelassener Psychotherapeuten und zu geringer Überweisungen der Kassen für Psychotherapie sei das Stundenhonorar teilweise um mehr als die Hälfte auf etwa 50 Mark gesunken, kritisierte Fliegel. Norbert Fischer vom Verband der Angestelltenkrankenkassen (Siegburg) wies auf die laufenden Verhandlungen zwischen Kassen, Kassenärztlichen Vereinigungen und Psychotherapeutenverbänden hin. Es sei damit zu rechnen, dass für die Therapiestunde demnächst rund 110 Mark bezahlt würde.
Die Versorgung der Bevölkerung mit Psychotherapie ist nach Ansicht von Thomas Horn trotz des Ausschlusses von Hunderten von Psychologen von der Kassenabrechnung nicht gefährdet. Nach Angaben des für die Approbation zuständigen Mitarbeiters im niedersächsischen Gesundheitsministerium sei beispielsweise Göttingen zu 400 Prozent und das gesamte Bundesland Niedersachsen zu 120 Prozent mit niedergelassenen Psychotherapeuten überversorgt.
Wolfgang Senf von der Rheinischen Landes- und Hochschulklinik in Essen forderte Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) auf, das erst vor einem Jahr in Kraft getretene Psychotherapeutengesetz zu novellieren und vor allem die Finanzierung der Psychotherapie zu verbessern. Prof. Senf hatte die Mitarbeit im wissenschaftlichen Beirat zur Begutachtung von Psychotherapieverfahren niedergelegt. Er hatte kritisiert, dass der Beirat Machtpolitik betreibe, indem er die Zulassung weiterer Psychotherapierichtung von der Abrechnung mit Kassen ablehne.
Die Angleichung von Psychotherapie und psychologischer Beratung innerhalb der Europäischen Union ist nach Ansicht von Annette Schröder (Universität Koblenz-Landau) noch kaum vorangeschritten. Noch gebe es gravierende Unterschiede in der Definition von Therapie, Beratung (Counseling) und Coaching (Managerführung) und in der Frage, wer was anbieten dürfe. In den meisten Länder der EU würden - im Unterschied zu Deutschland - Patienten Psychotherapie privat bezahlen. Jetzt sollen Minimalstandards für Psychotherapie in der EU formuliert werden. |