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N A C H R I C H T E N
25.02.2000 Bricht die Gesellschaft auseinander? Kleinfamilie verliert dramatisch an BedeutungBerlin (MEDI-Report) - Die Kleinfamilie als Keimzelle der Gesellschaft verliert nach Auskunft von Psychologen dramatisch an Bedeutung. Die Familie mit Vater, Mutter und zwei Kindern sei mit 17 Prozent nur noch eine Schrumpfgröße, sagte der Münchner Psychologieprofessor Heiner Keupp zum Auftakt des 13. Kongresses für Klinische Psychologie. Thema der Tagung, die heute in Berlin begann, ist auch die Unsicherheit von Arbeitsplätzen.
"Mit dem Ende der Arbeitsgesellschaft stiften Arbeitsverhältnisse nicht mehr berufliche Identität", sagte Keupp. Der Vorschlag von Kanzler Gerhard Schröder, indische Computerfachleute ins Land zu holen, sei deutliches Beispiel für Arbeitsplatzgefährdung durch Globalisierung.
"Traditionelle geschlossene Lebensbedingungen werden zunehmend aufgebrochen", ergänzte Keupp. "Wer bin ich - darauf gibt es immer weniger eine Antwort." Bis nächsten Mittwoch treffen sich 1.000 Psychologen, Psychotherapeuten und Sozialarbeiter auf dem von der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie ausgerichteten Kongress in der Freien Universität Berlin.
In Ihrem Grußwort erklärte Gesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne), den Menschen in Deutschland stehe "im Krankheitsfall ein umfassendes, leistungsfähiges System der Versorgung zur Verfügung, ... das auch die psychotherapeutische Behandlung" einschließe. "Für die Patienten ist es ein Gewinn, dass sie jetzt ohne bisherige Einschaltung eines Arztes den Psychotherapeuten ihrer Wahl direkt aufsuchen können", scherzte Frau Fischer.
Bei Psychotherapie-Honoraren für Kassenversicherte, die sich teilweise um 40 Mark je Stunde oder darunter bewegen, ist der "Gewinn" sehr zweifelhaft. Therapeuten sehen die Honorierung ihrer Arbeit als ruinös an und kritisieren, im Psychotherapeutengesetz, das seit Anfang 1999 in Kraft ist, werde die Entlohnung nicht geregelt. Unter diesen Bedingungen werde die Psychotherapie ihre gesellschaftlichen Möglichkeiten nicht und ihr therapeutisches Potential nur noch für besser verdienende Versicherte entfalten können. "Wie kann ich Hilfe von Therapeuten erwarten, die für einen Apfel und ein Ei arbeiten und nicht in der Lage sind, sich selbst zu helfen", fragte ein Beobachter. |