Anzeige:
Linkstation-PRO-Ads


N A C H R I C H T E N

25.02.2000

Stress, Lärm, Allergien: Mehr Umwelt- und Gesundheitsschutz für Kinder und Alte

Berlin (dpa) - Die rot-grüne Koalition will Stress, Lärm, Allergien und andere zunehmend chronische Gesundheitsschäden langfristig zurückdrängen. Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) und andere Redner von SPD und Grünen kündigten am Donnerstag im Bundestag verstärkten Umweltschutz als Gesundheitsvorsorge an. Dies müsse vor allem für Kinder, kranke und alte Menschen gelten. "Der Erwachsene ist nicht immer die Norm", deutete Fischer schärfere Abgas- und sonstige Schadstoff-Grenzwerte in einer Debatte über das Sondergutachten "Umwelt und Gesundheit" des Sachverständigenrates für Umweltfragen an. Die Opposition stimmte dem vorbeugenden Schutz zu, hielt der Koalition zugleich aber vor, "Ängste und Hysterie" zu schüren oder mit verschärften Fluglärmvorschriften zu überziehen.

Die Parlamentarische Staatssekretärin im Umweltministerium, Gila Altmann (Grüne) wies die Kritik - auch wegen angeblich unzureichender Abstimmung in der EU - zurück. Danach hält das Ministerium an der Änderung des Fluglärmgesetzes fest, die jetzt öffentlich diskutiert werden solle. So sollen die Lärmschutzzonen um die Flugplätze herum ausgeweitet und die Lärmgrenzwerte gedrückt werden. Erstmals sind Nachtschutzzonen vorgesehen, um die Zahl der Nachtflüge einzudämmen. Im Umweltministerium heißt es dazu allerdings, bis zum in Kraft treten "wird es sicher kein Spaziergang, sondern ein steiniger Weg intensiver Gespräche und Verhandlungen sein". Laut Altman wird zugleich ein Konzept zum Schutz von Verkehrslärm erarbeitet.

Der CDU-Umweltpolitiker Klaus Lippold kritisierte, es werde nur der Anschein erweckt, als werde gehandelt. Die Fluglärmnovelle sei erst abzustimmen. Ulrike Flach von der FDP nannte die Ausweitung von Lärmschutzzonen einen Wettbewerbsnachteil für kleine Gesellschaften, die mit ihren Flügen nicht so leicht auf andere Routen ausweichen könnten. Die umweltpolitische PDS-Sprecherin Eva Bulling-Schröter kritisierte, während Trittin Lärmschutzmaßnahmen ankündige, "schnitzt Herr (Verkehrsminister Reinhard) Klimmt (SPD) weiter an sechsspurigen Autobahnen." Die CDU-Abgeordnete Vera Lengsfeld warnte die Koalition davor, jede Umwelteinwirkung wie Lärm schon als Gesundheitsschädigung zu werten. Lärm in einem Pariser Cafe wirke sicherlich anregend.

Die Gesundheitsministerin kündigte schärfere Maßnahmen gegen die Einleitung von Blei in Trinkwasser an. In einem Antrag von SPD und Grünen wird auf Grund der Empfehlungen des Umweltrates eine engere Zusammenarbeit der Umwelt- und Gesundheitsbehörden angekündigt. Zum Teil müsse die Aufklärungsarbeit verbessert werden, so zum Beispiel über die Schädlichkeit langen Sonnenbadens durch UV-Strahlen. Andererseits forderten die Umweltpolitiker, gegen die Ursachen, erkennbar durch das größer werdende Ozonloch, anzugehen. Nach Angaben der SPD-Politikerin Jutta Müller sterben zurzeit in Deutschland jährlich etwa 2.000 Personen im mittleren Alter an Hautkrebs. Interessant sei der Sachverständigenvorschlag, neben einem Wärmeschutzpass für Wohnungen auch einen Allergikerschutzpass vorzusehen, der die Eignung von Wohn- und Arbeitsräumen für Allergiker sicher stellt.

Zu einzelnen Punkten hatte der Sachverständigenrat geschrieben:

- UV-Strahlen: "Der Besuch von Solarien aus kosmetischen Gründen stellt eine überflüssige und leicht vermeidbare UV-Exposition dar." An kommerziell eingesetzten Bräunungsgeräten sollte einmal jährlich eine Sicherheitsüberprüfung stattfinden.

- Allergien: Von allergischen Erkrankungen sei inzwischen ein Drittel der deutschen Bevölkerung erfasst. Die gesamtwirtschaftlichen Kosten für Europa würden auf 29 Milliarden Euro (56,7 Milliarden Mark) geschätzt. Kennzeichnungspflichten sollten für Stoffe gelten, die zu erheblichen allergischen Reaktionen führen. Insbesondere Allergiker hätten Anspruch auf Nichtraucherschutz.

- Lärm: Etwa 70 Prozent der Deutschen fühlten sich durch Straßenverkehr, 50 Prozent durch Flugzeuge belästigt. Stress und Schlafstörungen, aber auch Leistungsstörungen am Arbeitsplatz, werden als häufige Folgen genannt.