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N A C H R I C H T E N
24.02.2000 800.000 Infektionen in deutschen Kliniken: Durch bessere Hygiene Einsparungen in MilliardenhöheBerlin/London (dpa) - Bessere Hygiene kann nach Schätzung von Medizinern bis zur Hälfte der jährlich 800.000 Infektionen in deutschen Kliniken verhindern. Damit könnten bundesweit fünf Milliarden Mark im Jahr eingespart werden, sagte Klaus-Dieter Zastrow von der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGHK) am Donnerstag in Berlin. Durch die Infektionen verlängere sich ein Klinikaufenthalt um durchschnittlich zehn Tage.
Die Zahl der Infektionen sei in den vergangenen Jahren zwar gleich geblieben, sagte Zastrow. Es habe sich jedoch die Zahl der Erreger erhöht, die gegen Antibiotika resistent seien. Deshalb forderten die Mediziner, nicht nur Hygiene-Richtlinien besser einzuhalten, sondern auch Antibiotika zurückhaltender einzusetzen.
Alle Patientengruppen seien gefährdet, sagte Zastrow. Mit rund 40 Prozent seien Harnwegsinfektionen die am häufigsten in Krankenhäusern erworbene Erkrankung. Meist würden die sterilen Bedingungen beim Verlegen von Kathetern nicht eingehalten. Atemwegs- und Wundinfektionen machten ein Viertel der Erkrankungen aus. Auch Blutvergiftungen seien keine Seltenheit. "Da fehlt es manchmal an der Umsetzung der einfachsten Schutzmaßnahmen", sagte der Vorsitzende der Gesellschaft, Axel Kramer. So arbeiteten Ärzte und Schwestern nicht immer mit Nase-Mund-Schutzhauben oder sterilen Kitteln.
Die Gesellschaft forderte, Betriebsverordnungen zur Hygiene - wie es sie bislang nur in den Berliner Krankenhäusern gibt - müssten zum Standard in allen deutschen Kliniken werden.
Zugleich sollten Patienten auch Defizite melden, sagte Kramer. Hygiene-Experte Hans Peter Werner betonte: "Nur wenn das Krankenhaus eine Rückmeldung erhält, wird es auf Hygienedefizite aufmerksam und kann diese auch verhindern." Derzeit hätten erst mehrere hundert Patienten den Rechtsweg eingeschlagen.
Nach Ansicht der Gesellschaft darf die mangelnde Hygiene nicht auf knappe Kassen geschoben werden. Krankenkassen gäben viel Geld für sinnlose Behandlungen mit Antibiotika aus, da könne nicht gelten, dass kein Geld für Desinfektion da sei, sagte Werner. Eine Desinfektion der Hände kostet laut Angaben am Tag pro Patient 20 Pfennige, während die Behandlung mit Antibiotika täglich pro Patient zehn Mark koste.
Nur eine ausreichende Hygiene und Desinfektion verhindert, dass gefährliche Bakterien auf Stoffen in Krankenhäusern monatelang überleben können. Das berichtet das britische Wissenschaftsmagazin "New Scientist" (Nr. 2227, S. 5) vom Samstag. Auch die gefürchteten, gegen viele Antibiotika resistenten Keime, die in Krankenhäusern immer wieder zu Infektionen und Todesopfern führen, könnten durch Baumwollkleidung, Handtücher oder Trennvorhänge übertragen werden.
Mangelnde Hygiene der Hände sei zwar immer noch die Hauptursache für Infektionen im Krankenhaus, berichtet der "New Scientist". Die neue Studie zeige aber, dass sich Keime auf nicht gesäuberten Flächen lange halten könnten. Alice Neely und Maley, Ärzte eines Kinderkrankenhauses in Cincinnati (USA) hatten untersucht, wie lange 22 Stämme von Bakterien auf reiner Baumwolle, Flanell, einem Baumwolle-Polester-Mischgewebe, reinem Polester und Polyethylen überleben. Darunter waren auch in Krankenhäusern gefürchtete "Superkeime" wie ein Antibiotikum-resistenter Stamm des Bakteriums Staphylococcus aureus. Diese Bakterien können insbesondere bei immungeschwächten Patienten schwere Infektionen in vielen Körperteilen auslösen.
Die Ärzte fanden, dass Staphylokokken sich auf Polyester, das in Krankenhäusern häufig für Trennvorhänge benutzt wird, bis zu sieben Wochen halten können. Auch auf Polyethylen, das für Schürzen Verwendung findet, überlebten die Keime zwischen drei Wochen und drei Monaten. "Die meisten Bakterien in der Studie hielten sich auf den Kunstfasern länger als auf Baumwolle", berichten die Forscher. |