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N A C H R I C H T E N
24.02.2000 Erbgut-Kartierung unmittelbar vor dem Ziel: Nach Drosophila das Genom des MenschenWashington (Gisela Ostwald) - Genomforscher haben die letzte große Hürde vor der Entschlüsselung des menschlichen Erbguts genommen. Mit der kleinen, braunen Fruchtfliege Drosophila melanogaster gelang ihnen die Genom-Entschlüsslung der bisher komplexesten Lebensform. Ihr Erbgut soll das Nachschlagewerk für die Analyse menschlicher Gene werden. Drosophila gilt bislang als bestes Modell für die Untersuchung von der Funktion aller Säugetier-Gene, denen des Menschen eingeschlossen.
Das unauffällige Insekt hat sich schon vor langem einen Ehrenplatz im Herz von Wissenschaftlern erobert. Erkenntnisse von seiner genetischen Ausstattung wurden bereits mit drei Nobelpreisen belohnt.
Die Fertigstellung des Drosophila-Genoms wurde auf dem Kongress der Amerikanischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft (AAAS) in Washington bekannt, die am Dienstag zu Ende ging. Offiziell sollen die 13.601 Gene der kleinen Fruchtfliege erst in drei Beiträgen im Wissenschaftsjournal "Science" vorgestellt werden.
Der federführende Autor, Gerald Rubin von der Universität von Kalifornien in Berkeley, berichtete in Washington, dass 60 Prozent des Fliegen-Genoms mit dem des Menschen identisch sind. Diese Parallelen wollen die Forscher nutzen, um die Aufgaben bereits entschlüsselter menschlicher Gene zu identifizieren.
"Sobald die Natur ein Problem in der Evolution gelöst hatte, verwendete sie das Resultat immer und immer wieder", sagt Rubin. "Das heißt, dass für jene Gene, die das Gedächtnis oder den zirkadianischen Rhythmus bei der Fruchtfliege regulieren, gleiche oder ähnliche Gene mit der entsprechenden Funktion beim Menschen existieren".
So hat die Fruchtfliege auch jene Gene in ihrem Erbgut, die beim Menschen verschiedene Krebstumoren, die Alzheimer-Krankheit oder auch Nierenleiden fördern. In der jetzt vorliegenden Version des Drosophila-Genoms sind alle Gene der kleinen Fliege erfasst. Die noch fehlenden gut zwei Prozent sind nach Auskunft der Forscher bedeutungslose DNA-Folgen, so genanntes Junk-DNA (Abfall-DNA), die Rubin in den kommenden Monaten nachliefern will.
Rubin hatte sich vor einem Jahr mit der Celera Corporation in Rockville (Maryland) zusammengeschlossen, die die Sequenzierung bei der Fruchtfliege quasi als Testlauf für die Dekodierung des menschlichen Erbguts vornahm. Celera wiederum verkaufte den Zugang zu den Informationen des Drosophila-Genoms inzwischen an den Pharmariesen Pfizer, wie am Rande des Kongresses bekannt wurde.
Das menschliche Erbgut mit seinen geschätzt 60.000 Genen ist quasi die "Deluxe-Ausführung" des Drosophila-Genoms, sagten Wissenschaftler in Washington. Celera hatte die vollständige Sequenzierung der drei Milliarden Bausteine oder Basenpaare des menschlichen Genoms eigentlich erst für Juni angekündigt. Doch mit der vorgezogenen Präsentation der Drosophila-Karte rückt das Ziel schneller näher als gedacht. |