Anzeige:
Linkstation-PRO-Ads


N A C H R I C H T E N

24.02.2000

Drei Jahre nach "Dolly": Geklonte Mammuts und Haustiere angekündigt

Hamburg (Simone Humml) - Ein sieben Monate altes Schaf schreckte vor drei Jahren weltweit Forscher wie Öffentlichkeit auf. Nach Klonschaf Dolly erscheinen Kopien von Soldaten, Albert Einstein oder Claudia Schiffer nicht mehr ausgeschlossen. Seit dem das Fachmagazin "Nature" am 27. Februar 1997 das erste aus einer erwachsenen Zelle geklonte Säugetier präsentierte, entstanden auf gleiche Weise Rinder, Mäuse und weitere Schafe.

Klonfantasien treiben weiterhin Blüten: Forscher wollen ein Mammut klonen, obwohl das Erbgut nach rund 20 000 Jahren selbst im Eis weitgehend zerstört sein dürfte. Eine Firma in den USA bietet an, lieb gewonnene Haustiere zu vervielfältigen und hat dafür von einem Hundebesitzer schon 4,6 Millionen Mark an Forschungsgeldern erhalten. Der amerikanische Physiker Richard Seed ist nach seinen vollmundigen Ankündigungen, bis Sommer 1999 den ersten geklonten menschlichen Fötus zu schaffen, dagegen vorerst verstummt.

"Ich halte das Klonen von Menschen nicht für in Ordnung, bin aber sicher, dass es kommen wird", sagte Prof. Uwe Claussen vom Institut für Humangenetik und Anthropologie der Universität Jena. Der Egoismus der Menschen werde immer größer und somit auch der Wunsch nach "Unsterblichkeit des eigenen Ichs". Das Klonen erfülle jedoch sicher nicht diese Erwartung, wie sie im Rahmen eines lukrativen Okkultismus propagiert werden könnte.

Ein Klonmensch hätte ebenso seine eigene Identität wie sie eineiige Zwillinge haben. Es sei sogar vorstellbar, dass man sich an geklonte Menschen gewöhne wie heute bereits an Retortenbabys, sagte Claussen. Zum Vervielfältigen von Soldaten etwa in Diktaturen - wie zunächst befürchtet - lohne sich das Klonen von Menschen nicht. "Das Ziel, gleich denkende und handelnde Menschen zu erzeugen, ist sehr viel preiswerter über Propaganda zu erreichen."

Derzeit ist das Klonen von Menschen in den meisten Ländern verboten und auch technisch stehen noch Hindernisse davor: Bislang stirbt ein Großteil der geklonten Tiere im Mutterleib oder kurz nach der Geburt. Forscher warnen vor riesigen Föten, fehlgebildeten Kindern oder Totgeburten bei dem Versuch, Menschen zu klonen.

Große Gewinne von der Klontechnik erhoffen sich Medizin-, Pharma- und Agrarindustrie. Unter Wissenschaftlern in den USA hat ein Wettrennen um die Produktion von Ersatzorganen aus körpereigene Zellen begonnen. Mit einer ähnlichen Technik wie der von Dolly setzten sie das Erbgut eines Erwachsenen in eine zuvor entkernte Eizelle ein. Sie möchten damit gesundes Gewebe etwa für Diabetiker oder Parkinson-Kranken züchten. Andere haben Embryozellen dazu gebracht, sich unendlich zu teilen.

Noch fehlt allen Forschern jedoch der «Hebel» zur gezielten Entwicklung von spezifischem Gewebe. Zudem ist zweifelhaft, ob diese Methoden zum wirtschaftlichen Erfolg führen. Andere Forscher haben Stammzellen in verschiedenen Organen eines Erwachsenen gefunden, aus denen sie neues Gewebe entwickeln wollen. Dann müsste man nicht auf die Dolly-Methode zurückgreifen.

Mehr Erfolge hat die Pharmaindustrie vorzuweisen: So produzieren bereits jetzt gentechnisch veränderte Kühe und Schafe mit ihrer Milch therapeutisch wichtige Eiweiße des Menschen. Denkbar ist eine "Pharmafabrik" aus geklonten Tieren. Und auch die Agraindustrie dürfte bald von der Dolly-Methode profitieren: Erst im Januar stellten Forscher in den USA vier gesunde Kälber vor, die sie aus Hautzellen vom Ohr eines alten japanischen Zuchtbullen geklont hatten.

Drei Jahre nach der Präsentation von Dolly steht fest: körperlich identische Klonmenschen oder -tiere wird es so bald nicht geben. Ersten bekommen Säugetiere nur wenige Kraftwerke der Zellen (Mitochondrien) von ihrer genetischen Mutter, sondern vor allem von der Eizelle, in die das Erbgut gepflanzt wird. Zudem sind die biologischen Einflüsse der Schwangeren auf den Embryo nur wenig erforscht. Erst Mitte Februar hatte "Nature" eine Studie veröffentlicht, nach der sich eineiige Zwillinge schon im Mutterleib unterschiedlich stark bewegen. Zudem werden die Telomere, die Enden der Erbgut tragenden Chromosomen, bei jedem Klonwesen etwas kürzer. So steht noch nicht fest, ob die nachfolgenden Generationen schneller altern oder früher Krebs entwickeln.