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N A C H R I C H T E N
23.02.2000 Wieder fünf auf einen Streich: Heidelberg sammelt MehrlingsgeburtenHeidelberg (Carsten Hoefer) - Einen Tag nach ihrer Geburt sind die Heidelberger Fünflinge gesund und munter. Die Geburt der drei Jungen Nikolas, Kevin, Julian und ihrer beiden Schwestern Ariane und Kimberley sei optimal gelaufen, sagte der Leiter der Heidelberger Universitäts-Frauenklinik, Gunther Bastert, am Mittwoch.
Bastert und sein Team haben inzwischen eine gewisse Routine in der Bewältigung derart schwerer Geburten entwickelt: Seine Klinik ist seit einiger Zeit eine Anlaufstelle erster Wahl bei Mehrlingsschwangerschaften. Diese Entbindung sei allerdings "deutlich schwieriger" als die der ersten Fünflinge in Heidelberg vor etwas über einem Jahr, sagte Bastert. Die Eltern Renata (22) und Jürgen Stragand (30) aus dem Raum Saarbrücken wollen erst einmal in Ruhe Vorbereitungen für die Entlassung der Kinder aus der Klinik treffen.
Auch die Familie Stragand hörte durch die umfassende Berichterstattung über die erste Fünflingsgeburt im Januar 1999 von der Heidelberger Klinik. "Seitdem ist die Zahl der Mehrlingsschwangerschaften bei uns sprunghaft angestiegen", berichtet Bastert. Er hatte auch vor einem Jahr schon die fünf Kinder der Familie Beutelspacher aus Karlsbad entbunden, die am 21. Januar ihren ersten Geburtstag feierten. Beginnend mit den Millenniums-Drillingen Lea, Luisa und Sarah in der Neujahrsnacht hat es in diesem Jahr schon drei Drillingsgeburten in der Heidelberger Frauenklinik gegeben.
Bei der Zahnarzthelferin Renata Stragand hatten die Heidelberger Mediziner gehofft, die Geburt noch bis in den März verzögern zu können. "Bis Samstag lief alles nach Plan", sagte Bastert. Dann wurde bei einem der fünf Kinder jedoch ein Fruchtblasensprung festgestellt, womit eine Infektion drohte. "Das war das Signal, das wir uns aktiv zu der Entbindung entschließen mussten." Seit dem 24. Januar waren Ärzte und Schwestern in ständiger Bereitschaft. Für die Mutter habe vor allem die Gefahr einer "Überwässerung der Lunge" bestanden.
Mutter Renata war während der Entbindung per Kaiserschnitt nicht unter Vollnarkose und erlebte die Geburt ihrer fünf Kinder bei Bewusstsein mit. Am Anfang sei es ein "Schock" gewesen, wie klein und hilflos die zwischen 625 und 1.330 Gramm schweren Kinder ausgesehen hätten, sagte die von der Entbindung sichtlich mitgenommene junge Frau. Als erste kam die 1.330 Gramm schwere Ariane auf die Welt. Statt des Kopfes streckte sie allerdings zuerst einen Arm ans Tageslicht. Die Querlage des Säuglings sei "etwas, was wir fürchten", meinte Bastert.
Vater Jürgen, Schlosser von Beruf, saß während der schwierigen Operation am Kopfende des Bettes - in den Worten Basterts nichts für Männer mit schwachen Nerven. "Ich habe es eigentlich gut überstanden", sagte Stragand. Nach der Entbindung wurden die Kinder auf die Säuglingsintensivstation gebracht. Nur zwei von ihnen benötigen leichte Atemhilfe. "Ich habe am Anfang selbst Bedenken gehabt, weil es eine Risikoschwangerschaft war", sagte seine Frau. Die Fünflingsschwangerschaft sei Ergebnis einer Hormonbehandlung gewesen, weil sie sonst keine Kinder hätte bekommen können. "Aber man freut sich, dass es eine so große Familie gibt, wenn alles gut geht."
Die Klinik will für die Stragands nun den Kontakt mit der Karlsbader Fünflingsfamilie Beutelspacher knüpfen, damit sich die frisch gebackenen Eltern Rat holen können. Für die fünf Kinder haben sie zwei Kinderzimmer reserviert. Bastert will auch den saarländischen Ministerpräsidenten Peter Müller (CDU) in einem Brief um Unterstützung für die Stragands bitten. "Es ist ganz klar, dass man eine Kinderschwester braucht."
Weiteren Mehrlingsgeburten in seiner Klinik sieht der Professor optimistisch entgegen: "Bitteschön, es sind alle herzlich eingeladen." |