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N A C H R I C H T E N
22.02.2000 Hunderten Frauen gesunde Brüste amputiert: Ermittlungen gegen ÄrzteEssen/München (dpa) - Ein Medizinskandal um überflüssige Brustamputationen bei Hunderten Frauen im Ruhrgebiet hat nach einem aktuellen Gutachten neue Nahrung erhalten. Nicht allein ein Pathologe, der vielfach Brustkrebs diagnostiziert und Operationen empfohlen hatte, habe Fehler gemacht, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" am Dienstag. Nach dem jetzt veröffentlichten Bericht einer Gutachterkommission sollen gleich mehrere Ärzte und Institutionen versagt haben. Die Staatsanwaltschaft Essen nahm die Ermittlungen auf.
Rund 300 Frauen ist in den neunziger Jahren auf diese Weise vermutlich mindestens eine gesunde Brust amputiert worden. Der Essener Pathologe hatte bei Gewebeuntersuchungen seiner Patientinnen vielfach Brustkrebs diagnostiziert und eine Amputation empfohlen, ohne dass es tatsächlich Anhaltspunkte für eine derartige Krankheit gab. Ein Radiologe hatte die Gewebeproben jeweils wegen Brustkrebsverdachts an den Pathologen geschickt. Obwohl einige Chirurgen dem Zeitungsbericht zufolge von der Diagnose überrascht gewesen waren, kam es dennoch immer wieder zu operativen Eingriffen.
Der Pathologe hatte 1997 Selbstmord begangen, nachdem gegen ihn ermittelt und ein Berufsverbot verhängt wurde. Er verbrannte sich in seiner Praxis. Dabei wurden nahezu alle medizinischen Unterlagen vernichtet. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen mehrere Ärzte und Vertreter von Aufsichtsbehörden, bestätigte am Dienstag die Staatsanwaltschaft Essen. Ihnen wird Fahrlässigkeit vorgeworfen. Geklagt hatten Dutzende betroffener Frauen.
Die Gutachter kritisierten eine "generell ungenügende Ausbildung deutscher Mediziner bei der Früherkennung von Brustkrebs". Es dürfe jeder Radiologe Mammografien anbieten, gleichgültig wie erfahren er sei, und ob er über geeignete Geräte verfüge, bemängelte die Vorsitzende der Gesellschaft, die Kieler Radiologin Ingrid Schreer. Ärzte mit genügend Erfahrung seien in der Minderzahl. |