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N A C H R I C H T E N

21.02.2000

Klagewelle kommt auf Pharmaindustrie zu: Bluterin verklagt Immuno (Baxter) wegen Hepatitis-Infektion

München (dpa) - Der deutschen Pharmaindustrie drohen wegen Blutkonserven, die mit dem Hepatitis-C-Virus verseucht waren, Entschädigungszahlungen in Millionenhöhe. Wie das Nachrichtenmagazin "Focus" meldet, klagt jetzt die erste der rund 3.000 Bluterkranken, die zwischen 1976 und 1984 durch die Konserven angesteckt wurden.

Die 22 Jahre alte Hamburgerin will vor Gericht drei Forderungen einklagen: Die Firma Immuno (heute Baxter), die damals die Blutgerinnungsmittel lieferte, soll 100.000 Mark Schmerzensgeld und eine monatliche Rente von 1.300 Mark zahlen und jeden "künftigen materiellen und immateriellen Schaden" ersetzen, der aus der Infektion entsteht.

Ihr Anwalt argumentiert in der Klageschrift, Immuno und andere Pharmaunternehmen hätten damals Blutprodukte aus den USA importiert und die deutschen Sicherheitsvorschriften nicht eingehalten. Vor 1986 seien Blutkonserven in den USA nicht mit dem ALT-Test untersucht worden, der feststellt, ab der Blutspender an einer die Leber schädigenden Krankheit leidet. Obwohl der ALT-Test Pflicht gewesen sei, hätten die deutschen Hersteller ihn nicht nachgeholt, so der Anwalt. Nach einer US-Studie wären "mindestens 61 Prozent" der Hepatitis-C-Fälle vermieden worden, wenn der Sicherheitsstandard eingehalten worden wäre.