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N A C H R I C H T E N

21.02.2000

Millionen leiden unter Alkoholsucht: Drogenbeauftragte für weitere Einschränkungen der Alkoholwerbung

Berlin (dpa) - Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Christa Nickels (Grüne), hat sich für weitere Einschränkungen bei der Alkoholwerbung ausgesprochen. Das Gesundheitsministerium wolle die Werbewirtschaft in Gesprächen überzeugen, freiwillig den bestehenden Katalog von Verhaltensregeln für die Werbung für alkoholische Getränke zu erweitern, sagte Nickels in einem dpa-Gespräch. "Hier kommen vor allem Maßnahmen des Kinder- und Jugendschutzes in Frage." Dabei könnten auch "Vorschläge, die sich an den geltenden freiwilligen Vereinbarungen für die Zigarettenwerbung orientieren", diskutiert werden.

Nach den Verhaltensregeln des Deutschen Werberates darf Werbung unter anderem nicht zu Alkoholmissbrauch - etwa "durch zum Trinken auffordernde Leistungssportler" - insbesondere von Jugendlichen führen. Der Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft sieht derzeit keine Notwendigkeit, die Regeln zu verschärfen. Insbesondere ein diskutiertes Verbot von Fernsehwerbung vor 22.00 Uhr oder Bußgelder bei Verstößen lehnt er entschieden ab.

Nickels bezeichnete die ablehnende Haltung der Werbewirtschaft als "unverständlich". "Mehr als sieben Millionen Familienangehörige, darunter viele Hunderttausende von Kindern, müssen unter den Folgen der Alkoholsucht von Familienmitgliedern schwer leiden." Jährlich würden mehr als zweitausend Kinder mit vorgeburtlichen Schädigungen durch Alkohol (Alkoholembryopathie) geboren. Daher werde das Gesundheitsministerium in seinen Bemühungen zur Eindämmung von Alkoholmissbrauch nicht nachlassen.

Der regelmäßige Alkoholkonsum der 12- bis 25-Jährigen sei seit 1973 zwar kontinuierlich zurückgegangen. "Früher Konsumbeginn im Jugendalter bedeutet aber in der Regel die Verfestigung von Konsummustern", sagte Nickels. Die Werbung präge dabei nach jüngsten Studien maßgeblich, ob jemand mehr oder weniger trinke. "Jugendliche sind durch werbliche Aussagen in besonderer Weise ansprechbar und müssen daher vor den Gefahren des riskanten Konsums von Alkohol in besonderer Weise geschützt werden", sagte Nickels.

Mehr Info  Werbeverbot für Nervengift: Gesundheitsministerin will besseren Schutz vor Alkohol - 13.02.2000