Anzeige: |  |
N A C H R I C H T E N
20.02.2000 "Spiegel" mit BKA-Statistik: Zahl der Drogentoten 1999 erneut gestiegenHamburg (dpa) - Die Zahl der Drogentoten ist in Deutschland nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Insgesamt seien 1.812 Menschen an den Folgen des Konsums von Heroin, Kokain und anderer harter Rauschmittel gestorben, schreibt das Magazin unter Berufung auf eine bislang unveröffentlichte Statistik des Bundeskriminalamtes (BKA). 1998 waren 1.674 Drogentote registriert worden, 11,5 Prozent mehr als 1997. Eine Bestätigung war vom BKA am Wochenende nicht zu erhalten, das Bundesinnenministerium lehnte eine Stellungnahme ab.
Das BKA habe einen deutlichen Anstieg der Drogenopfer in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Berlin festgestellt, schreibt der "Spiegel". Allein in der Bundeshauptstadt seien im vergangenen Jahr 205 Süchtige gestorben, 45 mehr als ein Jahr zuvor. Gemessen an der Bevölkerungszahl stehe Bayern mit 268 Drogentoten unter den Flächenländern an erster Stelle. Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) will an diesem Montag die Kriminalstatistik seines Landes für 1999 vorlegen.
Baden-Württemberg hatte eine vorläufige Bilanz bereits Anfang Januar veröffentlicht, danach starben dort insgesamt 270 Menschen an ihrer Sucht - 44 mehr als 1998. Das sei der erste Anstieg seit fünf Jahren gewesen. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen zählten die Behörden bis zum Jahresende 395 Drogentote, 41 mehr als kurz vor Ende 1998. Auch in Schleswig-Holstein stieg die Zahl der Süchtigen, die an ihrem Drogenkonsum starben, um 26 auf 80. Eine Erklärung dafür hatte der Kieler Innenminister Ekkehard Wienholtz (SPD) bei der Veröffentlichung der Statistik vor elf Tagen nicht.
In Hessen hatte Innenminister Volker Bouffier (CDU) am vergangenen Montag verkündet, dass die Zahl der Drogentoten in seinem Land um drei auf 138 gesunken sei. In Hamburg wurde 1999 sogar die niedrigste Zahl seit zehn Jahren registriert: 115 Menschen starben in der Hansestadt am Drogenkonsum, 1991 waren es noch 184.
Der rechtspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Volker Beck, forderte angesichts der neuen Zahlen am Sonntag von CDU und CSU eine Umkehr in der Drogenpolitik. "Die Strategie der Repression ist gescheitert, die drogenfreie Gesellschaft eine Illusion", sagte Beck. Stattdessen müssten die Einrichtung von so genannten Fixerstuben ermöglicht und eine staatlich kontrollierte Abgabe von Heroin durch Ärzte an Süchtige erprobt werden. Die Union solle ihren Widerstand gegen die entsprechenden Initiativen der Koalition aufgeben, sagte der Grünen-Politiker.
Anfang Februar war die von der rot-grünen Bundesregierung geplante Freigabe von "Fixerstuben" im Bundesrat am Widerstand der CDU/CSU gescheitert. Damit fehlt für diese Einrichtungen, von denen es beispielsweise in Hamburg schon sieben gibt, weiterhin die Rechtsgrundlage. In den Hamburger "Fixerstuben" können sich Drogenabhängige unter anderem saubere Spritzen holen und werden dort auch sozialpädagogisch betreut. |