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N A C H R I C H T E N
19.02.2000 Schokoladen-Forschung entdeckt: Kakao ist Medizin fürs HerzWashington (Gisela Ostwald) - Forscher haben jetzt bestätigt, was Leckermäuler schon lange wissen: Schokolade ist gut für sie. Kakao, der wichtigste Bestandteil von Pralinen, Tafeln oder Riegeln Schokolade, ist voll beladen mit Flavonoiden. Das sind jene phenolischen Pflanzenstoffe, die auch Traubensaft oder ein Glas Rotwein nach jüngster Erkenntnis zur Medizin für Herz und Kreislauf machen. Ernährungswissenschaftler trugen die Ergebnisse ihrer Schokoladen-Forschung am Samstag auf einem Symposium der Amerikanischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft (AAAS) in Washington vor. Der AAAS-Kongress gilt als weltgrößtes Treffen von Forschern der verschiedensten Disziplinen.
Dass der Genuss von Schokolade - ebenso wie der von Wein - nur in Maßen Gewinn bringt, versteht sich von selbst. Wichtig ist auch die Auswahl: Kakaopulver enthält die meisten Polyphenole, gefolgt von dunkler Schokolade und dann erst Milch-Schokolade. Wer weiße Schokolade bevorzugt, verzichtet auf die nutzbringenden Phytochemikalien.
Diese sind zwar auch in Obst und Gemüse zu finden, allerdings nicht in der "überraschenden Fülle" wie in den süßen Produkten der Kakaopflanze, berichteten die Forscher übereinstimmend. Dunkle Schokolade etwa habe den achtfachen Gehalt der Stoffe wie Erdbeeren. Allerdings ist sie auch mit unnötigen Kalorien befrachtet. Ein kleiner Riegel Schokolade hat über 200 Kalorien, bis zu 50 Prozent von Fett.
Carl Keen von der Universität von Kalifornien in Davis wies streng wissenschaftlich nach, dass Kakao die Produktion von Blutplättchen (Thrombozyten) bremst. Thrombozyten können Blutpfropfen bilden und zum Herzinfarkt und Schlaganfall führen. Keen entnahm bei den Teilnehmern seiner Studie Blut, vor und zwei sowie sechs Stunden nach dem sie ein Kakao-Getränk zu sich genommen hatten. Mit Verfahren wie der Fluss-Zytometrie und über monoklonale Antikörper war der Effekt des Kakaos bis zuletzt zu beobachten.
Ein weiterer Gesundheitsaspekt: Verschiedene im Kakao gefundene Flavanoide entspannen die Gefäßwände. Das heißt, sie wirken jenem gefährlichen Prozess entgegen, der die Blutgefäße verhärtet und letztlich zum Infarkt führen kann. Der Kardiologe Tissa Kappagoda, ebenfalls von der Universität von Kalifornien in Davis, wies das nach - bisher allerdings erst nur an den Arterien von Kaninchen.
Kakao scheint auch antioxidativ zu wirken. Versuche im Reagenzglas ergaben, dass Katechine, eine Gruppe seiner pflanzlichen Bestandteile, die Oxidation von Lipiden ähnlich wie Tee unterdrücken. Das bedeutet, dass Kakao die Bildung des so genannten schlechten Cholesterins LDL (Low Density Lipoprotein) bremsen und auch über diesen Prozess gut für das Herz sein könnte.
Das ahnten wohl schon die frühen Bewohner Mittelamerikas, die Olmecs und Mayas, sagte Louis Grivetti von Davis den Wissenschaftlern in Washington. Sie verschrieben Kakao gegen Angstzustände, Müdigkeit und Fieber. Die Mayas beschränkten den Genuss des Pulvers auf ihre Krieger, Priester und jene armen Seelen, die sie anschließend ihren Göttern opferten.
Manuskripte aus dem 16. bis frühen 20. Jahrhundert enthalten laut Grivetti "mehr als 100" medizinische Anwendungen mit Kakao, darunter zur Anregung schwacher Nieren und der Milchproduktion stillender Mütter, zur Stimulation apathischer und erschöpfter Menschen sowie - nicht zuletzt - für den sexuellen Appetit.
Dass ein großer Schokoladenfabrikant (Mars Inc.) die Studien finanzierte, mindere ihren Wert nicht, versicherten die Forscher in Washington. Alle Ergebnisse seien von anderen Wissenschaftlern nach dem Standardverfahren "Peer Review" überprüft und zur Veröffentlichung bei Fachzeitschriften wie dem "Journal of Clinical Nutrition" eingereicht. |