N A C H R I C H T E N 31.01.2000 Erleichterung über Biosafety-Protokoll: Durchbruch für den Verbraucherschutz vor GentechnologieMontreal/New York (Gisela Ostwald) - Regierungen und Umweltschützer in fast aller Welt sind erleichtert. Mit dem Biosafety-Protokoll gibt es ein erstes Instrument, das ihre Länder vor gentechnisch veränderten Agrarimporten zu schützen verspricht. "Den Rest muss der Markt regeln", äußerte Greenpeace-Koordinator Benedikt Härlin optimistisch. Auch die deutsche Gesundheitsministerin Andrea Fischer trumpfte auf: Das Rahmenabkommen werde die gentechnologische Industrie zwingen, mit offeneren Karten zu spielen. "Die alte Frontenstellung haut nicht mehr hin", sagte sie in Montreal.Dort einigten sich Regierungsvertreter von gut 135 Ländern nach einwöchigen Marathonverhandlungen am Samstag auf ein Rahmenabkommen für den internationalen Handel mit gentechnisch manipulierten Organismen (GMO). Darunter fallen Lebensmittel ebenso wie Saatgut, Tiere und Tierfutter wie auch Bakterien. Als größten Sieg bezeichnete die deutsche Ministerin, dass sich Länder künftig gegen GMO-Importe verwahren können, ohne ihre Bedenken - nach den Bestimmungen der Welthandelsorganisation - bis zum i-Tüpfelchen wissenschaftlich untermauern zu müssen. Aber auch die Gegenseite, die in der so genannten Miami-Gruppe vereinten USA, Kanada, Argentinien, Australien, Chile und Uruguay, gewann eine Runde. Sie setzte gegen den Willen der großen Mehrheit durch, dass GMO-Produkte in den ersten zwei Jahren nach In-Kraft- Treten des Abkommens nicht extra gekennzeichnet werden müssen. Danach soll die Warnung genügen, dass eine Importlieferung "gentechnologisch veränderte Organismen enthalten könnte". Weitere Details über die Herstellung und Gefahren der GMO-Exporte können Importländer von einer Informationszentrale abrufen. Sie soll beim Sekretariat des Abkommens - wahrscheinlich in Montreal - eingerichtet werden. Damit hängt von jedem Land ab, wie es sich künftig zu Früchten stellt, die das Gen einer Flunder für Frost-Toleranz enthalten, zu Insekten-Genen in Gemüse, Geflügel-Genen in Fisch und Erbanlagen des Menschen in Schweinefleisch. Lebensmittel aus der biotechnologischen Retorte sind in Europa seit Jahren Zündstoff. Die Skepsis breitet sich auch auf anderen Kontinenten aus. In Mexiko will der führende Hersteller von Mehl für Tortillas, Grupo Maseco, genetisch modifizierten Mais aus den USA in diesem Jahr meiden. Dabei hatte Mexiko 1999 noch Maismehl für eine halbe Milliarde Dollar bei seinem Nachbarn im Norden eingekauft. Südkorea erklärte kürzlich, chinesischem Mais künftig den Vorzug vor amerikanischem zu geben. Japan will seine Sojabohnen in den USA nur noch von Bauern einkaufen, die garantiert herkömmliches Saatgut verwenden. Selbst in Amerika, dem Führer der Gentechnologie weltweit, wächst das Misstrauen gegen die neue Ernte. Die Hersteller von Babynahrung, Gerber und H.J. Heinz, gehörten zu den ersten Unternehmen, die mit gentechnologisch unberührten Produkten werben. Auch Hunde- und Katzenfutter von dem Marktführer Iams spart jene genetisch angereicherten Getreidesorten aus, denen europäische Behörden bisher ihre Zustimmung versagt haben. Gleichzeitig entsteht in den USA ein neues Preissystem für Agrarprodukte. Solche aus konventionellen Ernten werden teurer bezahlt, GMO-Erzeugnisse dagegen sinken im Preis, berichtete die "New York Times" kürzlich. Ein US-Unternehmen, Archer Daniels Midland Company, belohnt Bauern zum Beispiel mit einem Aufpreis bei Getreide, wenn es aus gentechnologisch unberührter Saat stammt. |