N A C H R I C H T E N

30.01.2000

Afrikas Affen: Ein "Reservoir" zahlreicher HIV ähnlicher Viren

Washington (dpa) - Afrikas Affen beherbergen mindestens 18 verschiedene Erreger aus der Familie der Lentiviren. Ihr gehört auch der Aidserreger HIV an, der bisher 16 Millionen Menschen das Leben gekostet hat. Ein amerikanisch-britisches Team warnt deshalb im Wissenschaftsjournal "Science" (Bd. 287, S. 607) vom Freitag, dass diese Primaten ein "extrem großes Reservoir" für Infektionen sind und auch neue Epidemien hervorrufen könnten.

Beatrice Hahn von der US-Universität von Alabama und Kollegen von den Gesundheitszentren CDC in Atlanta sowie der Universität von Nottingham (Großbritannien) fanden allein den HIV-ähnlichen Erreger SIV (Simian Immunodeficiency Virus) bei 26 Primatenarten. Zwei seiner Stämme seien der Ursprung des menschlichen Aidserregers HIV: der unter Schimpansen verbreitete SIVcpz und von einer Meerkatze verbreitete SIVsm.

Nach den Erkenntnissen von Hahn gab es in der Vergangenheit insgesamt sieben Übertragungen vom Affen auf den Menschen. Aber nur eine einzige Infektion mit einem SIV sei für die überwiegende Mehrheit aller Aidsfälle weltweit verantwortlich. Seit dieser einen folgenschweren Infektion habe der am weitesten verbreitete Aidserreger, HIV-1, insgesamt 50 Millionen Menschen infiziert.

Ursprung des HIV-1 ist nach Erkenntnissen der Forscher der vom Schimpansen übertragene Erreger SIVcpz. Der Überträger dieser ersten Infektion auf den Menschen war eine Unterart des Schimpansen mit dem langen lateinischen Namen Pan troglodytes troglodytes, heißt es im Wissenschaftsjournal "Science". Hahn und Kollegen sowie ein anderes, unabhängig arbeitendes Forscherteam kamen bei ihren Nachforschungen zum Ergebnis, dass das Ereignis in Kamerun geschah und zwar bereits "im frühen Teil des 20. Jahrhunderts".

Wie es dann zu der Epidemie beim Menschen kam, welche Faktoren zu ihr beitrugen und warum sie erst Jahre später, in der Mitte des 20. Jahrhunderts, offenkundig wurde, bleibt dagegen noch offen. Hahn und Kollegen gehen davon aus, dass die ersten Infektionen durch das Affenblut ausgelöst wurden, entweder durch den Verzehr des rohen Fleisches oder auch beim Jagen und Zerlegen der Tiere.

Überträger des selteneren HIV-2-Stammes war ihren Informationen nach die Meerkatze "Sooty Mangabeys". Ihr natürlicher Lebensraum im Westen Afrikas, südlich des Casamance Flusses von Senegal bis zum Sassandra Fluss der Elfenbeinküste überschneidet sich mit den Zentren der HIV-2-Epidemie, schreiben die Wissenschaftler.

Lentiviren haben Primaten nach ihrem Bericht wahrscheinlich schon Hunderttausende oder sogar Millionen von Jahren infiziert. Die meisten dieser Erreger schaden nicht der Art, der sie eigen sind. Erst bei der Übertragung auf eine andere Art, auch eine andere Affenart, können sie gefährlich werden. Die Forscher nennen dafür drei Beispiele aus Afrika, die Infektion des Meerkatzen-Erregers SIVsm auf drei Arten von Makaken. Die kleinen Makaken-Affen dienen Aidsforschern inzwischen als Model für HIV-Übertragungen.