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30.01.2000 Stuttgarter Virologe und Labormediziner: Lassa-Fieber ist viel häufiger als bisher angenommenStuttgart/Schwäbisch Hall (dpa / MEDI-Report) - Das Lassa-Fieber ist in Westafrika eine weitaus häufigere Krankheit als bisher angenommen. Alleine im Gebiet zwischen Liberia und Nigeria erkranken jedes Jahr zwischen 100.000 und 400.000 Menschen an dem gefährlichen Fieber. Dies teilte der Stuttgarter Virologe und Labormediziner Rüdiger Braun in einem dpa-Gespräch mit. Nach seinen Angaben sterben in Westafrika jedes Jahr rund 5.000 Lassa-Patienten. Braun warnt allerdings vor Panik: "Wer die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen vor allem bei der Ernährung beachtet, muss sich nicht vor dem Lassa-Fieber fürchten."
Das Lassa-Fieber war in die Schlagzeilen geraten, weil eine Studentin aus Schwäbisch Hall am 15. Januar an der Viruserkrankung gestorben war. Sie hatte sich in Afrika infiziert und konnte trotz intensiver Versorgung in der Würzburger Missionsärztlichen Klinik nicht gerettet werden.
Überträger des Virus ist eine Rattenart mit dem Namen "Mastomus natalensis". Die Ratte erkrankt nicht, scheidet die Viren aber mit Kot oder Urin aus. Da die Ratten ihre Exkremente unter anderem auf schlecht gelagerten Nahrungsmitteln hinterlassen, nennt Braun als erste Regel für Tropenreisende: "Koch es, schäl es oder vergiss es!"
Eine weitere Gefahr sieht Braun in den Ernährungsgewohnheiten der einheimischen Bevölkerung: "Es gibt Menschen, die auch diese Ratten verspeisen." Wenn das Fleisch nicht vollständig gar sei, bestehe eine erhöhte Infektionsgefahr. Allerdings sei diese Gefahr für Touristen nicht sehr hoch einzuschätzen, denn: "Normalerweise lassen unsere Ernährungsregeln den Genuss von Rattenfleisch nicht zu."
Für Reisende gibt es nach Angaben Brauns neben den allgemeinen Vorsichtsregeln bei Ernährung oder Sexualkontakten keinen speziellen Schutz gegen eine Lassa-Infektion. Zwar stehe die Chemoprophylaxe mit dem Virushemmer "Ribavirin" zur Verfügung, doch Braun rät davon ab: "Die Nebenwirkungen sind im Vergleich zum Ansteckungsrisiko unvergleichlich hoch." Die Touristen sollten sich eher gegen die häufigen Krankheiten wie Kinderlähmung, Diphtherie, Meningitis, Gelbfieber oder Hepatitis A oder B impfen lassen und eine vernünftige Malariaprophylaxe betreiben. "Damit ist ihnen mehr geholfen, als vor Angst gebannt auf Viren wie Lassa oder Ebola zu schauen."
Im Zusammenhang mit Kritik an der Behandlung der verstorbenen Lassa-Patientin ist von dem Schwäbisch Haller Chefarzt für innere Medizin, Hannes Heißmeyer, gegenüber Journalisten die Auffassung vertreten worden, die Medizinischen Handbücher für Tropenkrankheiten müssten neu geschrieben werden. Heißmeyer, in dessen Klinik die Patientin vor ihrer Verlegung in die Missionsärztliche Klinik in Würzburg behandelt worden war, forderte, Lassa-Fieber in diese Broschüren aufzunehmen, damit die Ärzte schneller reagieren könnten. Auch das Heft des Hamburger Tropeninstituts erwähne das Lassa-Fieber nicht. Eine andere Publikation beschreibe als Krankheitsbild akutes Fieber, Schockzustände und Blutungen. All das habe bei der Studentin nicht vorgelegen. "Es war das Verdienst des Kollegen Klaus Fleischer, dass er an Lassa-Fieber überhaupt gedacht hat", sagte Heißmeyer mit Blick auf den Chefarzt der Missionsärztlichen Klinik in Würzburg, in der die Patientin nach einer erfolglosen Therapie gestorben war. |