N A C H R I C H T E N

29.01.2000

Zahnärzte sind politisch realistischer: Drei Zahnärztekammern gründen Freiberufler-Akademie in Münster

Münster/Stuttgart (MEDI-Report) - Zur Stärkung der beruflichen Selbstverwaltung haben die Zahnärztekammern Bayern, Niedersachsen und Westfalen-Lippe am Samstag in Münster eine eigene Akademie eröffnet. Die nach Angaben der Kammern bundesweit erste "Akademie für freiberufliche Selbstverwaltung und Praxismanagement" solle vorrangig junge Zahnärzte und Zahnärztinnen in die ehrenamtlich wahrzunehmenden Aufgaben von Selbstverwaltungseinrichtungen einweisen. Die 20 bis 24 Teilnehmer eines Jahrgangs erlernten in dem berufsbegleitenden zweijährigen Aufbaustudium Berufspolitik und gesundheitsökonomische Zusammenhänge. Wissenschaftlich begleitet werde das Projekt vom Forschungsinstitut für freie Berufe der Universität Lüneburg.

Die Gründung der Akademie in Münster sei durchaus als klares politisches Signal gegen die erklärte Absicht der Bundesregierung zu verstehen, das Ehrenamt in der Selbstverwaltung durch hauptberufliche Verwaltungsspitzen zu ersetzen, sagte der Präsident der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe, Jürgen Weitkamp. Ohne fundierte Kenntnisse in juristischen oder Management-Fragen ließen sich die Interessen der Zahnärzte nicht mehr wirkungsvoll vertreten. Gerade wegen der "überbordenden Regulierung im Gesundheitsbereich" müsse Selbstverwaltung zurückgewonnen werden, bestätigte der Präsident der Bayerischen Landeszahnärztekammer, Joseph Kastenbauer (Altötting).

Diese Strategie der Zahnärzte, zum Erhalt der Freiberuflichkeit die Selbstverwaltung von innen heraus zu reformieren und ihre Repräsentanten in Berufspolitik, Gesundheitsökonomie, Verwaltungsrecht und Betriebswirtschaft zielgerichtet zu befähigen, hat deutlich bessere Chancen, von Politik und Gesellschaft akzeptiert werden. Denn gerade das zunehmende Versagen der Selbstverwaltungen der Heilberufe ist es, das die Politik zum regulierenden Eingriff zwingt. Dem gegenüber werden jene Funktionäre in der Ärzteschaft, die als selbsternannte "Erneuerer" mit erschütterndem Nihilismus Parolen verspritzen wie "Was wir hören wollen, ist eine Philosophie des Nein-Sagens!" (Norbert Metke von der Kassenärztlichen Vereinigung Nordwürttemberg) oder "Wir brauchen einen Rattenfänger!" (Joachim Kuhlo von der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein) die Selbstverwaltung eher weiter zerstören (mehr zum "Erfolg" der ärztlichen "Erneuerer" im MEDI-Report Brennpunkt 21.01.2000).