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PSYCHOTHERAPIE


N A C H R I C H T E N

26.01.2000

Redaktion warnt vor Seiten-Klau im Internet: Nachrichtenseite des "MEDI-Report" von Psychotherapeutenverbänden "entführt"

Stuttgart (MEDI-Report) - Kaum im Web und schon geklaut. Das hatte die Redaktion am 25.01.2000 bei ihrem Nachrichten-Beitrag vom Vortag festzustellen. MEDI-Report berichtete über einen befremdlichen Beschluss-Antrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KÄBV), der das Urteil des Bundessozialgerichtes vom 25.08.1999 auf den Kopf zu stellen versucht: Statt der von den Sozialrichtern den Psychotherapeuten verordneten 10 Pfennige je Punkt sieht die KÄBV-Vorlage nur 6,8 Pfennige vor. Umgehend fand sich der Beitrag auf die Websites zweier Psychotherapeutenverbände "entführt" wieder.

"Danke, Kollegen, für so viel ungebremste Begeisterung", kann die Redaktion dazu nur sagen. Freilich hat es den Anschein, die chronische Honorarmisere hat die Portokasse des Bundesverbandes der Vertragspsychotherapeuten (bvvp) bereits völlig geleert. Für eine Mail oder einen Anruf bei MEDI-Report, um eine Wiedergabeerlaubnis einzuholen, hatte es offenbar nicht mehr gereicht. Aufmerksame Leser fanden den MEDI-Report-Beitrag mit seinem Original-Titel in der Rubrik "aktuelle Auswahl" auf der Homepage des Berufsverbandes wieder - allerdings jeglicher Links im Text zu MEDI-Report beraubt.

 Die Homepage des bvvp mit dem Titel des "entführten" Beitrags

Im Text waren die Verknüpfungen sowohl zu der * umfangreichen Kommentierung des entsprechenden BSG-Urteils durch Rechtsanwalt Dr. Michael Kleine-Cosack im MEDI-Report als auch zum Urteilstext selbst sorgfältig entfernt worden. Der Nachrichtenbeitrag von MEDI-Report erschien den Lesern jetzt als Beitrag des Bundesverbandes der Vertragspsychotherapeuten (bvvp).

.Der "entführte" Nachrichtenbeitrag vom 24.01.2000 auf den Seiten des bvvp

So war es geradewegs zwangsläufig, dass die geklaute Seite - als der Berliner Psychotherapeut und Psychoanalytiker Gerd Böttcher sie vom bvvp für seine eigene Website übernahm - dem bvvp zugerechnet wurde. Im selben Atemzug, in dem Böttcher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung ihre "neuen Tricks" vorwirft, lässt er seine Besucher wissen: "Wir übernehmen hier einen Abdruck aus den Seiten des bvvp".

Die Kopie des "entführten" Beitrags unter der Adresse des Berliner Psychotherapeutenverbandes

Von dem Original und MEDI-Report erfährt der solchermaßen bediente Leser nichts. "Liebe Freunde", entfährt es da dem Beobachter, "wie wollt Ihr denn ernst genommen werden, wenn Ihr noch wie in den anarchischen Anfängen des Internet - jenseits des urheberrechtlichen Respektes - alle Seiten zusammenkopiert, die Euch gefallen?"

Im Internet werden blauäugigen Kunden, die bei zweifelhaften Händlern "Viagra" bestellen, statt dessen peppige Pfefferminzbonbons verkauft. Dies sind noch die harmlosesten Risiken, vor denen die Arzneimittelkommission mit Recht warnt. Und ebenso selbstverständlich lesen gutgläubige Besucher auf Websites - von enthusiastischen Webmastern ungeprüft kolportiert - Nachrichten, die möglicherweise frei erfunden sind. "Die neue Welt mag ein Dorf geworden sein", schreibt der "Der Spiegel" am 24.01.2000 als MEDI-Report seinen Bericht ins Netz stellte, "aber sie ist verlogener als die alte".

Die Redaktion warnt deshalb: Die originalen MEDI-Reports - sauber recherchiert - finden sich nur auf www.medi-report.de.

Zum Original des "MEDI-Report" vom 24.01.2000

Einer der Seiten-Liebhaber, der Psychoanalytiker Hans-Peter Krüger, hat sich inzwischen bei MEDI-Report entschuldigt und den unberechtigt kopierten Beitrag von der bvvp-Homepage wieder abgeräumt ("ich entschuldige mich für den Seitenklau"). Und Herrn Böttcher, der in Berlin von alledem möglicherweise noch nichts weiß, wünschen wir einen guten Morgen: "Machen Sie, lieber Kollege Böttcher, wenn Sie unsere Texte so sehr lieben, einfach einen Link zum MEDI-Report. Der erfüllt denselben Zweck der Aufklärung viel besser, seriöser und authentischer - und verkürzt überdies den Trennungsschmerz."  

Abb: © 2000 MEDI-Report