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PSYCHOTHERAPIE


N A C H R I C H T E N

25.01.2000

Schon Friedrich Schiller wusste es: "Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens"

Stuttgart (MEDI-Report) - Nun hat auch die Wissenschaft es (wieder einmal) bewiesen. David A. Dunning, Psychologe an der Psychologischen Fakultät der Cornell University in Ithaca (N.Y.), berichtete im "Journal of Personality and Social Psychology", dass das Unvermögen, die eigene Inkompetenz zu erkennen, ganz folgerichtig zu einer gesteigerten Selbstüberschätzung führt. Inkompetente Menschen sind nicht nur den Anforderungen ihres Fachgebiets nicht gewachsen, sondern sie sind sich überdies - wer hat jemals etwas anderes gedacht? - auch nicht bewusst, wie inkompetent sie tatsächlich sind.

Der Sozialpsychologe Dunning ließ Versuchspersonen verschiedene logische, grammatikalische und auch lustige Fragen beantworten. Anschließend sollten sie selbst die Qualität ihrer Antworten einschätzen. Es zeigte sich, dass diejenigen, die zum großen Teil richtig geantwortet haben, auch diejenigen waren, die sich eher unterschätzt oder sich selbst in Frage gestellt haben. Diejenigen jedoch, deren Antworten meist falsch waren, waren sich dieser Tatsache nicht nur nicht bewusst, sondern sie neigten in der Bewertung der Qualität ihrer Antworten auch zu der Ansicht, dass sie zu den Besten der Gruppe gehörten. Wie recht hatte Konfuzius: "Zu wissen, was man weiß, und zu wissen, was man tut, das ist Wissen." Ein Maß an Weisheit, das zu erreichen den Inkompetenten wohl verwehrt ist. Selbst "von einem guten Rat zu profitieren erfordert mehr Weisheit, als ihn zu geben", lesen wir bei dem englischen Schriftsteller John Churton Collins.

Nach der Lösung der Testaufgaben verteilte der Forscher unkorrigierte Kopien der Fragebögen unter den Versuchspersonen, so dass jeder jetzt auch sehen konnte, wie die anderen die Aufgaben gelöst hatten. Auch hier waren die Inkompetenten der Ansicht, dass die von ihnen ausgefüllten Testbögen zu den Besten gehörten. Die Kompetenten hingegen vermochten ihre eigene Leistung richtig einzuordnen. Das entspricht der Lebenserfahrung: Manche "lernen es halt einfach nicht".

"Bild der Wissenschaft" stellte in einem Bericht hierzu die Frage: "Besteht überhaupt Hoffnung, dass die Inkompetenten je zur Einsicht kommen? Bei den schlimmsten Fällen wohl kaum, glaubt der Psychologe. Bei den weniger gravierenden Fällen kommt es seiner Meinung nach auf die Gesellschaft an. Im Moment sei die Gesellschaft nicht sehr kompetent darin, den Inkompetenten zu sagen, was sie von deren Leistung halte."

Nun hat der Erkenntnistrieb der Kompetenten so schier unüberschaubar viele Pillen, Tinkturen und Kräuter gefunden. Und darunter gibt es wirklich kein einziges Kraut, das gegen Inkompetenz gewachsen ist? Stellen wir uns vor, es gäbe eines: Das Arzneimittelbudget wäre nicht zu halten.

 
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