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14.01.2000 Kanadas Raucher: Umerziehung mit Gesetzen und GruselfotosVancouver (Tilman Streif) - Die Botschaft könnte kaum deutlicher sein: "Rauchen kann Sie umbringen." In fetten schwarzen Buchstaben steht dieser nüchterne Satz auf Zigarettenpackungen, die in Kanada verkauft werden. Raucher, die sich auch davon noch nicht umstimmen lassen, reagieren aber vielleicht auf den neuesten Plan kanadischer Gesundheitshüter: Wer Tabakprodukte kauft, wird umgehend mit dem grausigen Bild einer von Krebs zerfressenen Lunge konfrontiert.
Nach Medienberichten aus der Hauptstadt Ottawa will das kanadische Gesundheitsministerium noch in diesem Monat die Veröffentlichung der Schockfotos auf Zigaretten- und Tabakpackungen vorschreiben. Gesundheitsminister Allan Rock beruft sich dabei auf eine Studie aus dem vergangenen Jahr. Sie bewies angeblich, dass Rauchern die Lust auf den Glimmstängel vergeht, wenn sie auf besonders drastische Art auf die möglichen Folgen ihrer Nikotinsucht hingewiesen werden.
Anders als in den USA, wo der Kampf gegen die großen Tabakkonzerne überwiegend vor Gericht stattfindet, sind in Kanada die Gesetzgeber auf der Bundes- und Provinzebene die schärfsten Gegner der Zigarettenhersteller. "Wir regulieren schon Teile des Produktionsprozesses", sagt Lynn LeSage, eine Sprecherin des Ministeriums. Die Regierungseingriffe bei der Gestaltung der Verpackungen stoßen auf heftige Kritik bei der Tabakindustrie, die aber bisher nur wenige Siege erringen konnte. Unter anderem wurde eine von Minister Rock vorgeschlagene Formulierung bisher noch nicht verwirklicht. Er wollte die Hersteller zwingen, den Satz "Rauchen kann einen langsamen und schmerzhaften Tod verursachen" auf den Packungen abzudrucken.
Das energische Vorgehen der kanadischen Bundesregierung wird auf der Provinzebene noch übertroffen. Britisch-Kolumbien zwingt die Tabakunternehmen, alle Inhaltsstoffe ihrer Produkte öffentlich bekannt zu geben. Zum Schutz der Angestellten in Gastronomiebetrieben müssen Kneipen und Restaurants neuerdings völlig rauchfrei sein. Nach dem Vorbild Kaliforniens, einem der wenigen US-Staaten mit strikten Gesetzen zur Eindämmung der Nikotinsucht, drohen den Wirten hohe Geldstrafen, wenn sie das Gesetz missachten.
Aber im Gegensatz zum US-Vorbild geht es in Britisch-Kolumbien bei der Überwachung der Vorschriften besonders präzise zu. Denn die Provinz richtete ein Beschwerdetelefon ein. Unter einer gebührenfreien Nummer können anonyme Anrufer Gesetzesbrecher melden. Wirte, die mehrmals beschuldigt werden, bekommen dann nach Warnbriefen gezielt Überraschungsbesuche von den zuständigen Beamten. Deren Arbeit wird von der Bevölkerung offenbar gerne unterstützt. Über tausend Anrufer ließen sich bisher von dem Vorwurf, Denunzianten zu sein, nicht abschrecken. Einer kleinen Minderheit allerdings geht der Eifer der Bürokraten zu weit - beim Anti-Raucher-Telefon beschwerten sich auch einige Gastwirte und engagierte Kneipengänger über das Qualmverbot am Tresen. |