N A C H R I C H T E N

13.01.2000

Influenza-Welle in Europa - Arzt: chronisch kranke Kinder impfen

Marburg/Köln (dpa) - Die Menschen in den Nachbarstaaten stöhnen unter der Grippe und auch in Deutschland steigen die Patientenzahlen. Eine 23-jährige Italienerin mit schwerer Grippe sei im Krankenwagen gestorben, weil kein Klinikbett frei war, berichtete das italienische Fernsehen am Donnerstag. Auch in Großbritannien, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, der Schweiz und Polen gebe es eine ausgeprägte Grippe-Welle, teilte Helmut Upphoff von der Marburger Arbeitsgemeinschaft Influenza am Donnerstag mit. Die Daten seien für die Jahreszeit jedoch nicht außergewöhnlich.

In Deutschland gebe es weiterhin eine leichte Zunahme der Grippefälle vor allem im Südwesten. Die höchste Aktivität vermutet die Arbeitsgemeinschaft in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Die Lage bei den Impfstoffen in Deutschland entspannt sich weiter deutlich.

Der Berufsverband der Kinderärzte riet, chronisch kranke Kinder impfen zu lassen, warnte aber zugleich vor Panik. "Gesunde Kinder sind durch den Grippe-Virus nicht übermäßig gefährdet", sagte Wolfram Hartmann, Vorstandsmitglied des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Nur chronisch kranke Kinder, etwa mit Asthma, Mukoviszidose, Herz- und Nierenleiden und Diabetes sollten geimpft werden. Die Impfung sei für Kinder ab dem sechsten Lebensmonat zugelassen.

Neben der Schutzimpfung helfe auch ein gesunder Lebensstil zur Vorbeugung. Auch bei schlechten Wetter sollten Kinder regelmäßig ins Freie gehen, sich zudem viel bewegen und vitaminreich ernähren, rät Hartmann.

Die Bundesärztekammer rief am Donnerstag vor allem geschwächte und ältere Menschen dazu auf, sich gegen Virusgrippe impfen zu lassen. "Auf keinen Fall sollte die Erkrankung unterschätzt werden", sagte Prof. Karl-Friedrich Sewing, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer. "Eine voll ausgeprägte Virusgrippe führt erfahrungsgemäß zu einer starken Beeinträchtigung des Herz- Kreislauf-Systems. Unbehandelt kann die Grippe im schlimmsten Fall tödlich enden". Für diejenigen, die bisher von der Erkrankung verschont geblieben sind, sei eine Grippe-Impfung nach wie vor sinnvoll.

Das Paul-Ehrlich-Institut hatte bis Donnerstagmittag 350.000 zurückimportierte Impfstoff-Dosen freigegeben. "Wir werden deutlich mehr als die ursprünglich geplanten 500.000 Dosen zurück bekommen", sagte Sprecherin Susanne Stöcker. Allein aus Großbritannien werden 100.000 Dosen erwartet. "Die Briten lassen sich, wie es richtig ist, wohl vor der Grippesaison impfen", meinte Stöcker.

Die gestorbene Italienerin war nach Auskunft des italienischen Fernsehsenders mit hohem Fieber und Atembeschwerden im Krankenhaus der Stadt Milazzo an der Nordküste Siziliens untersucht worden. Die Ärzte ordneten die Unterbringung in der Intensivstation an, über die das Krankenhaus jedoch nicht verfüge. In Kliniken der näheren Umgebung seien wegen der gegenwärtigen Grippewelle in Italien alle Betten belegt gewesen. Schließlich sei ein freies Bett in 200 Kilometern Entfernung ausfindig gemacht worden. In Milazzo habe jedoch kein Rettungshubschrauber landen können. So wurde die junge Frau im Krankenwagen befördert. Auf dem Weg sei sie gestorben.

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