N E U E S Z U M V E R B U N D
Datenschützer kritisiert MEDI-Verbundprojekt Landesdatenschutzbeauftragter Schneider warnte laut Stuttgarter Nachrichten "vor 'der Zusammenballung höchst sensibler Daten'. Es könne nicht sein, dass der Augenarzt, bei dem man seine Sehstärke testen lässt, alles über den jüngsten Besuch des Patienten beim Urologen erfahre" Datenschutz - 18.12.1999
Gleichbehandlungsgebot über Bord geworfen Die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Nord-Württemberg (KÄV NW) mit ihrem Vorsitzenden Dr. Werner Baumgärtner hat am 01.12.1999 zugunsten des MEDI-Netzes "Das Gleichbehandlungsgebot der Kassenärztlichen Vereinigung für alle Vertragspraxen in Nord-Württemberg" abgelehnt. Ein Fall für die Aufsichtsbehörde? Nachrichten - 02.12.1999
K O M M E N T A R
MEDI-Verträge: Wer diszipliniert Baumgärtner?
Baumgärtners "Verkaufsmodell" MEDI entpuppt sich immer mehr als grandiose Mausefalle für ängstliche Ärzte, die die MEDI-Verträge ohne anwaltlichen Rat unterschrieben haben: Der BDA - Berufsverband der Allgemeinärzte nennt das Beitrittspapier eine "Entrechtungserklärung" und der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) nennt MEDI eine "Entmündigung der Ärzte".
 Der erste Austritt aus der MEDI-S GbR ließ deshalb nicht auf sich warten."Selbst gutwillige Kolleginnen und Kollegen können sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es sich bei Ihrem MEDI-Verbund um den Versuch handelt, den vorhandenen Abhängigkeiten eine noch viel schlimmere hinzuzufügen", schrieb eine Fachärztin am 13.09.1999 in ihrem mehrseitigen Austrittsbrief an Werner Baumgärtner.
Überdies stufen Arztrechtler das von Baumgärtner initiierte MEDI als "standes- und vertragsarztwidrig" ein, so Rechtsanwalt Max Broglie am 18.08.1999, "da sich die Förderung kollegialer ärztlicher Zusammenarbeit auf Mitglieder des Ärztlichen Praxisverbundes beschränkt".
Gleichzeitig zitiert der Vorstand der KÄV NW unter Baumgärtners Führung jenen Kritiker, der zuerst im MEDI-Report Nr.2 am 12.07.1999 auf diese "Vergewaltigung der eigenen Berufsordnung" hingewiesen hat, vor den Disziplinar-Ausschuss der KÄV NW. Man darf neugierig sein, was sich die Vertreter der nord-württembergischen Vertragsärzte, denen der "wild entschlossene" Baumgärtner in der Vertreter-Versammlung (VV) am 07.07.1999 noch das Wort entziehen lassen konnte, in der VV der KÄV NW am 01.12.1999 zumuten lassen werden. Es geht dabei um die Frage: Wird die VV Baumgärtner in die Schranken weisen oder gelingt es Baumgärtner, die Ärzte in Ketten zu legen ?
Thema: Machtmissbrauch ?
M E I N U N G E N
Der Verbund ist überflüssig
von Klaus Schmidt
Die Väter von Medi werden nicht müde, auf die Freiwilligkeit der Teilnahme hinzuweisen. Was aber daran so freiwillig sein soll, wenn es zur Teilnahme am Medi-Konzept nach Dr. Baumgärtners und Dr. Metkes Willen keine Alternative geben darf, das müssen die beiden Medi-Erfinder noch erklären. Sie wollen ja keine Netze-Vielfalt, sondern ein KV-Ersatz-Monopol. Wer dann eine Praxis für GKV-Versicherte führen will, muß die Monopol-Bedingungen schlucken, sonst hat er keine Chance. Und auch ein paar andere Aussagen sind zu hinterfragen: Die Vertragsärztliche Vereinigung malte die Abschaffung der KV an die Wand. Nach dem Scheitern der Reform 2000 ist noch nicht einmal eine Veränderung der gegenwärtigen KV-Position abzusehen. Das "Einkaufsmodell" der Kassen zielt angeblich auf "die Vernichtung von 30 Prozent freier niedergelassener Praxen". Auch das ist an den Haaren herbeigezogen. Medi hätte sein Ziel schon erreicht, wenn es nur die strukturierten Verträge mit Ausbudgetierungen für alle Ärzte erreichen würde, argumentieren die Dres. Baumgärtner und Metke. Diese Verträge mit ausbudgetierten Leistungen zu festen Punktwerten mit der AOK hat die KV ohne den Medi-Verbund ausgehandelt. Das müßte der KV-Vorsitzende Dr. Baumgärtner eigentlich wissen. Dazu wäre ein Verbundsystem also nicht notwendig. Zum Argument gemeinsamer günstiger Einkauf, EDV-Vernetzung etc. durch Medi: Solche Einkaufsringe und EDV-Vernetzungen gab und gibt es auch ganz ohne ein einheitliches Verbundsystem aller Ärzte. Aus: MEDICAL TRIBUNE 11.12.1999 (34. Jahrgang Nr. 49) Seite 20 Presseschau
Anzeige
 |