M E D I - R E P O R T S MEDI-Report Nr. 1 vom 18.06.1999
Als Löwe gestartet, um als Bettvorleger zu enden, Herr Dr. Baumgärtner ?Von Dietmar G. Luchmann
Alle Ärzte sollten sich - anders als in den verschiedenen andernorts geschaffenen Praxisnetzen - unter Führung von Baumgärtner und Metke zu einem in Deutschland einzigartigen Verkaufskartell gegenüber Krankenkassen und Patienten zusammenschließen, beschworen die Vorsitzenden der KÄV Nord-Württemberg ihre Kollegen. Auf dem Nährboden der Angst vieler niedergelassener Ärztinnen und Ärzte um ihre Zukunft entwarfen Baumgärtner, der selbst als Plattmacher der Kassenpsychotherapie von sich reden machte, und Metke ein Horrorszenario, in dem die Politik rund ein Drittel der Praxen totmacht und die Krankenkassen Ärztinnen und Ärzte zu Dumpingpreisen einkaufen. "Niemand von Ihnen weiß, wer zu diesem Drittel gehören wird", das überflüssig sei, tönten Baumgärtner und Metke seit der ersten MEDIS-Informationsveranstaltung am 21.10.1998, die bereits als Gründungsveranstaltung bezeichnet wurde. Das Ärztekartell MEDIS werde ein Selbstläufer eiferten sie auf weiteren Veranstaltungen am 18.11.1998 und 23.03.1999: "Entweder die Krankenkassen und Patienten bekommen uns alle oder keinen", dröhnte es auf die teilnehmenden Ärzte ein. Befremden über die Seriosität des Projektes regte sich bereits bei Ärzten, die auf der ersten Informationsveranstaltung im Gebäude der Kassenärztlichen Vereinigung in Stuttgart am 21.10.1998 teilnahmen, sich lediglich in eine Anwesenheitsliste eintrugen und danach bereits als Mitglieder öffentlich vorgeführt fanden. "Etwa 420 Stuttgarter Ärzte und die Kassenärztliche Vereinigung (KV) haben sich zu einem Verbundnetz zusammengeschlossen, um die Patienten effektiver und besser versorgen zu können", verschaukelten Baumgärtner und Metke vor Monaten die Stuttgarter Zeitung (StZ), die die MEDIS-Presseerklärung noch arglos veröffentlichte. Doch die Glaubwürdigkeit zu verspielen und eine Kartell-Politik gegen den "Rest der Welt" aufzuziehen, wird auch innerhalb der Ärzte- und Psychologenschaft als kurzsichtig und unklug empfunden. In einem Gespräch mit der Stuttgarter Zeitung kritisierte der Psychotherapeut Dietmar G. Luchmann an MEDIS, "daß die Ärzte viel zu wenig an der Entwicklung des Konzeptes beteiligt worden seien: 'Es ist eine ganz kleine Gruppe, die das Konzept ausheckt, während die späteren Teilnehmer gar nicht eingebunden werden.' Werner Baumgärtner räumt ein: Andere Ärzte hätten ebenfalls den Vorwurf erhoben, Medis sei zu zentralistisch. 'Aus dieser Kritik haben wir gelernt', so Baumgärtner. Die Besprechungen stünden seitdem für alle Mitglieder offen", versicherte Baumgärtner in einem Bericht der StZ vom 07.06.1999 (siehe den Artikel in der Presseschau). Baumgärtner gestand gegenüber der StZ ein, daß MEDIS bei weitem nicht bei allen Ärzten ankommt und nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch aus der Ärzteschaft die fundierte Kritik am Konzept von MEDIS und an seinem und Metkes Führungsstil wächst. Von den vor Monaten der StZ noch ins Hemd geschobenen 420 beigetretenen Netzaktivisten sollen nach einem Bericht der StZ am 18.06.1999 laut Metke in der am 16.06.1999 als erste Gesellschafterversammlung bezeichneten Zusammenkunft nur noch "366 Ärzte definitiv ihre Teilnahme erklärt" haben. "Die Mitgliederentwicklung sei 'stürmisch' ", bewertete der KÄV-Vize Metke daraufhin gegenüber der StZ am 18.06.1999 diese Zahlen. Von der Zweidrittel-Mehrheit der Stuttgarter Ärzteschaft, die an diesem Kartell nicht teilnimmt, sprach Metke auf der Zusammenkunft hingegen abfällig von "Restärzten", die sehen würden, was sie davon haben. Nun, vielleicht haben die "Restärzte" - wie der KÄV-Vize sie "liebkoste", nachdem es Baumgärtner nicht gelungen ist, sie mit einem Horrorszenario "einzufangen" - immerhin soviel davon, daß sie sich nicht zum Gespött machen, denn Angst ist bekanntlich ein schlechter Ratgeber. Und zu denjenigen, die bei einer Professionalisierung der Kassenärztlichen Vereinigung etwas zu verlieren haben, sind wohl in erster Linie Baumgärtner und Metke mit ihren gut dotierten Vorstandsjobs zu zählen. So räumen Beobachter dem erst 1997 gewählten KÄV-Vorsitzenden inzwischen deutlich verringerte Chancen auf eine Wiederwahl ein. Teilnehmer dieser ersten MEDIS-Gesellschafterversammlung am 16.06.1999, auf welcher der zunächst von Baumgärtner in persönlicher Ansprache als Gast begrüßte und zum Gespräch eingeladene Psychotherapeut Dietmar G. Luchmann von Baumgärtner selbst unvermittelt wieder herausgeworfen wurde, haben sich inzwischen gefragt, ob sie an einer Posse teilnehmen: In seiner Eröffnung begrüßte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Werner Baumgärtner den Psychotherapeuten Dietmar G. Luchmann als Gast und führte mit Blick auf die im Vorfeld von verschiedenen Seiten geäußerte Kritik an seinem zu zentralistischen Praxisnetz aus: „Zu Vorwürfen, wir wollen irgend jemand ausschließen, sage ich: wir wollen niemand ausschließen“. Nach Beendigung seiner Eröffnungsrede, er hatte sich inzwischen gesetzt, erlag Baumgärtner überraschend dem Impuls, in Gegenwart von etwa 300 Teilnehmern sein Verständnis von Demokratie, Offenheit und Gesprächsbereitschaft zu demonstrieren. Der soeben noch mit vier weiteren Gästen begrüßte Psychologische Psychotherapeut, der in der Stuttgarter Zeitung vom 07.06.1999 von Baumgärtner selbst eingestandene Mängel kritisiert hatte und ordentliches Mitglied der Kassenärztlichen Vereinigung Nord-Württemberg sowie Inhaber des ABARIS Systemhauses für Datentechnik, Medizinische Informationssysteme und Internet Services ist, wurde von diesem in einer offensichtlich emotionalen Aufwallung unter Hinweis auf seine Äußerungen in einem Gespräch mit der Stuttgarter Zeitung unvermittelt des Saales verwiesen. „Wenn Baumgärtner von Offenheit spricht, wo er Herrschaft versteht, und mit einer Gesprächseinladung einen Rauswurf meint, dann kann ich eine sachliche und differenzierte Position zum Pro und Kontra des MEDIS-Praxisnetzes für Kollegen und die Öffentlichkeit leider nur ins Internet stellen. Pikanterweise hat Baumgärtner in seinem Ärgeranfall vor allen MEDIS-Teilnehmern am 16.06.1999 genau das empfohlen. | |
| Der MEDI-Report Nr.2 analysiert die Gefahren des MEDI-Konzeptes für die Ärzte und die Öffentlichkeit. Zum Weiterlesen klicken Sie | |