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GenoGyn-GenoMed
Ärztliche Genossenschaft für die Praxis und für medizinisch-technische Dienstleistungen e.G. 12.10.1999
Mitgliederrundschreiben des Vorstandes Nr. 10

"Wir wollen ... eine strikte Dienstleistungsorientierung gegenüber den Patienten"

Fast gerät er ob des ganzen Trubels um ärztliche Verteilungskämpfe, ärztliche Entrechtung und ärztliche Blockadepolitik in Vergessenheit: der Patient. "Das Bild vom Patienten, der dem Arzt als selbstbewusster und informierter Kunde gegenübersteht, passt kaum in die wirkliche Welt", schrieb Wolfgang Borgmann von der Stuttgarter Zeitung am 5.07.1999. Recht hat er. Allerdings macht es für Ärzte durchaus Sinn, den Patienten als Partner einer neuen Gesundheits-Dienstleistungs-Gesellschaft einzubinden. Der Patient ist der natürliche Bündnispartner der Mediziner - in der Auseinandersetzung mit Krankenkassen und Politik. Und er wird diese Bündnisrolle dann wahrnehmen können, wenn er informiert, aufgeklärt und einer echten Auswahl an ärztlichen und psychotherapeutischen Dienstleistungen gegenüber gestellt wird.

Das hier von der Redaktion MEDI-Report wiedergegebene Mitgliederrundschreiben der GenoGyn-GenoMed e.G. weist in die richtige Richtung. Statt im Kartell gefangen zu sein, könnte der Patient hier eine Chance haben, partnerschaftlich im Mittelpunkt zu stehen. Im Vergleich zu der Flucht in die Ruinen der Vergangenheit eines MEDI-Kartells macht es Hoffnung, wenn die ärztliche Genossenschaft GenoGyn-GenoMed e.G. ihren Verbund "als Ganzes nach Grundsätzen modernen Managements unternehmerisch und wirtschaftlich effizient aus...richtet ... und die Regeln der Wirtschaftlichkeit und des Marktes akzeptiert". Die tatsächliche Umsetzung wird zeigen, ob dieser Anspruch eingelöst wird. Die Gesellschaft kann kein Interesse an einem Kartell haben, in dem selbst die Ärzte sich als geknechtet betrachten. Die Zukunft führt weg von der uniformgestalteten Einheitsmedizin, deren Erfüllungsgehilfen die Kassenärztlichen Vereinigungen sind, die als "siechende Dinosaurier der Kaiserzeit" (Dr. med. Hans-Georg Fritz in arzt online, Nr. 4, S.4, September 1999) Eigenverantwortung weder bei Ärzten noch bei Patienten zu fördern vermögen. Die Zukunft liegt bei den aufgeklärten und eigenverantwortlich handelnden Partnern der Dienstleistungsgesellschaft.

Nachfolgend der Wortlaut des Mitgliederrundschreibens des Vorstandes der GenoGyn-GenoMed e.G. vom 12.10.1999 und ein Scan des Originals:

GenoGyn-GenoMed e.G.

 

Leinfelden, 12.10.99

 

Mitgliederrundschreiben des Vorstandes Nr. 10


Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

Verbundsystem der GenoGyn-GenoMed in Baden- Württemberg

Alle Anzeichen sprechen dafür, dass mit dem Inkrafttreten der Gesundheitsreform 2000 Verbundsysteme als Formen integrierter Versorgung mit eigener Vertragsbefugnis gegenüber Kostenträgern möglich werden. Auf diesem dann entstehenden neuen Feld wollen wir als ärztliche Wirtschaftsgenossenschaft landesweit in Baden-Württemberg als erste präsent sein. Wir sind als Genossenschaft die einzige ausschließlich von Ärzten getragene privatwirtschaftliche Rechtsperson mit einer landesweiten Mitgliedschaft und Gebietszuständigkeit. Diesen Vorsprung wollen wir im Interesse unserer heutigen und künftigen Mitglieder landesweit unternehmerisch nutzen.

Die besondere Situation in Nordwürttemberg bezüglich des dort von der Vertragsärztlichen Vereinigung (VV) und KVNW angestrebten Verbundsystem Medi haben wir wiederholt kommentiert. Derzeit werden alle Vertragsärzte in Nordwürttemberg über unsere Gründe und unser Vorgehen besonders informiert. Damit wendet sich unsere Genossenschaft erstmals zunächst in dieser Region an alle Vertragsärzte.

Nach Behandlung in einer gemeinsamen Sitzung von Aufsichtsrat und Vorstand unserer Genossenschaft am 29.09.99 stellen wir nachfolgend für unsere Mitglieder in Baden-Württemberg unser weiteres Vorgehen bezüglich eines landesweit handlungsfähigen unabhängigen Verbundsystems für Ärzte und Psychotherapeuten dar:

Wir wollen unsere Genossenschaft und ihre heutigen und künftigen Mitglieder in Baden-Württemberg für die Zukunft im schnell wachsenden Gesundheitsmarkt unternehmerisch richtig positionieren. Daher werden sich unsere Strategien für das Verbundsystem der GenoGyn-GenoMed in Baden-Württemberg ableiten aus einem Konzept

  • das eine strikte Dienstleistungsorientierung gegenüber den Patienten beinhaltet,
  • das im Sinne dieser Dienstleistungsorientierung strikten Qualitätsmaßstäben folgt,
  • das als Ganzes nach Grundsätzen modernen Managements unternehmerisch und wirtschaftlich effizient ausgerichtet ist und die Regeln der Wirtschaftlichkeit und des Marktes akzeptiert,
  • das derzeit noch nicht unmittelbar auf wirtschaftlichen Wettbewerb zielt, aber in der Lage ist einen solchen Wettbewerb jederzeit und kraftvoll aufzunehmen,
  • das ein faires Miteinander aller Mitgliedergruppen vorsieht,
  • in das sich die einzelnen Mitglieder als freie Partner mit einem Höchstmaß an Eigenverantwortlichkeit einbringen und ihre Rechte individuell durch Regelungen und kollektiv durch Gestaltung der Verbundorgane so weit wie möglich abgesichert werden.

Es hat sich jetzt eine Arbeitsgruppe gebildet. Alle interessierten Mitglieder landesweit sind stets eingeladen auch regional mitzuarbeiten.
Wir gehen wie folgt vor:

  • Wir akquirieren gezielt Sponsoren und Partner aus relevanten Bereichen der Wirtschaft und interessieren sie für unser Projekt. Unternehmen verschiedener Wirtschaftsbereiche sehen die Chancen des schnell wachsenden Gesundheitsmarktes und lassen Interesse an geeigneten unternehmerischen Konzepten erkennen.
    Wir werden keine Exklusivrechte einräumen. Allianzen werden wir eingehen, wenn sie uns nützen und unsere Unabhängigkeit wahren.
  • Die Strukturen unseres Verbundsystems sollen unter Nutzung modernster Informations- und Kommunikationssysteme weitestmöglich unternehmerisch flexibel sein. Es ist essentiell, auch Erfahrungen und Kenntnisse außerhalb traditioneller Denkmuster des Gesundheitswesens einzubinden. Daher werden wir bei Konzeption und Ausformung innovativer Organisationsformen mit dem Fraunhofer-Institut IPA, Stuttgart zusammenarbeiten. Dieses Institut hat gerade im Bereich unternehmerisch ausgestalteter Konzepte im Gesundheitswesen interessante Referenzprojekte vorzuweisen.
  • Die gesamten Aktivitäten zum Verbundsystem in Baden-Württemberg werden in einer eigenen Managementgesellschaft als Tochtergesellschaft der GenoGyn-GenoMed zusammengefasst. Weder die Krankenkassen noch die bisher vier regionalen KV'en in Baden-Württemberg werden in dieser Tochtergesellschaft rechtlichen Einfluss erhalten. Nach außen werden wir stets offen für alle sein.
  • Unser Verbundsystem soll mit seinen Mitgliedern und in Kooperation mit Krankenhäusern Vertragsverantwortung gegenüber Kostenträgern übernehmen. Für Verhandlungen etc. werden wir fachlich qualifizierte und erfahrene Experten akquirieren.
  • Unter Berücksichtigung der gesetzgeberischen Rahmenbedingungen wollen wir mit Sorgfalt so vorgehen, dass wir vor anderen landesweit in Baden-Württemberg präsent sind und zentral unterstützte und regional vor Ort leistungsfähige Konzepte anbieten können.

Wir ermuntern Sie ausdrücklich, Konzeptrahmen und beschriebenes Vorgehen allen interessierten Kolleginnen und Kollegen in Ihrer Region und darüber hinaus bekannt zu geben. Hinweise, Fragen oder Kritik sind jederzeit willkommen.

Nach hinreichender Präzisierung der Konzeption und vor dem ersten Schritt der Realisierung durch Gründung der Tochtergesellschaft werden wir die Gesamtkonzeption des Verbundsystems unserer Genossenschaft in einer Generalversammlung aller Mitglieder vorstellen.

Wir werben um Ihr Vertrauen und Ihr Engagement. Wir werden Sie weiter informieren.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Der Vorstand
Dr. med. R. Wiesner- Bornstein                    Dr. med. G. Schmid

Und hier das Original des Mitgliederrundschreibens vom 12.10.1999.

Rundschreiben der GenoGyn-GenoMed e.G. vom 12.10.1999, Seite 1
 
Rundschreiben der GenoGyn-GenoMed e.G. vom 12.10.1999, Seite 2


© 1999 Redaktion MEDI-Report.
Wiedergabe auf medi-report.de mit freundlicher Genehmigung des Vorstands der GenoGyn-GenoMed e.G.