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GenoGyn-GenoMed
Ärztliche Genossenschaft für die Praxis und für medizinisch-technische Dienstleistungen e.G. 22.09.1999
Rundbrief des Vorstandes an alle nord-württembergischen Vertragsbehandler

Eine Alternative: Verbundsystem der GenoGyn-GenoMed e.G. in Nord-Württemberg

Sorgfalt geht der ärztlichen Genossenschaft, so heißt es seitens des Vorstandes, vor Schnelligkeit. In Anbetracht der eklatanten Mängel des MEDI-Verbundes eine vernünftige Entscheidung. "Eine Neuorganisation ärztlicher Leistungen in einem Verbundsystem muss zu Kreativität und Eigeninitiative ermutigen und verstärkt unternehmerische Anstrengungen zur Steigerung wirtschaftlicher Effizienz medizinischer Leistungen aktivieren", schreibt der GenoGyn-GenoMed-Vorstand. "Medi spricht eine vollständig andere, nicht unternehmerische, sondern eine überholte, dirigistische Sprache. Ein derartiges dirigistisches Konzept kann nicht unternehmerisch erfolgreich sein." Die Vertragsärztliche Vereinigung Nord-Württemberg und die Kassenärztliche Vereinigung Nord-Württemberg, denen Dr. med. Werner Baumgärtner vorsteht, "bieten 'alten Wein in neuen Schläuchen'. Wir treten daher diesem Konzept im wirtschaftlichen Interesse unserer heutigen und künftigen Mitglieder entgegen."

Nachfolgend der Wortlaut des Rundschreibens des GenoGyn-GenoMed-Vorstands vom 22.09.1999 und ein Scan des Originals:

GenoGyn-GenoMed e.G.

 

 

Leinfelden, 22.09.1999

 

Verbundsystem der GenoGyn-GenoMed in Nordwürttemberg

 

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

unsere Genossenschaft ist 1994 entstanden als Zusammenschluss unabhängiger Ärzte, die ohne Einflussnahme Dritter die wirtschaftliche Effizienz unserer Mitglieder stärken soll. Ursprünglich von Frauenärzten gegründet stehen wir seit 1997 Kolleginnen und Kollegen aller Arztgruppen offen. Wir wenden uns heute zum erstenmal seit unserer Gründung an alle Vertragsärzte in Nordwürttemberg.

1. Stellungnahme zu Medi

Anlaß ist die von uns mit Sorge betrachtete Entwicklung um das in Gründung stehende Verbundsystem Medi (vgl. Anlage). Unsere Genossenschaft hat nach der ersten öffentlichen Bekanntgabe der Konstruktion und des Vertragswerkes von Medi vor einem Beitritt gewarnt. Wir wollen Ihnen den Schwerpunkt unserer Kritik heute erläutern:

Von den Medi-Initiatoren wird stets behauptet, Medi sei "tief demokratisch", da die Geschäftsführung der Medi GmbH von dem erweiterten Vorstand der Vertragsärztlichen Vereinigung (VV) kontrolliert werde. Dieser erweiterte Vorstand werde demokratisch gewählt. Das Machtzentrum von Medi ist aber nicht der Geschäftsführer der Medi GmbH, der der Kontrolle von 24 Mitgliedern des erweiterten Vorstandes unterliegt.

Das eigentliche Machtzentrum von Medi ist der erweiterte Vorstand der VV selbst. Er hält 80 % der Gesellschafterstimmen; er ernennt und entläßt die Geschäftsführung. Für ihn gibt es weder in der VV, noch in der KV, noch in Medi irgend ein Überwachungsorgan. Einmal installiert und wirksam wird der erweiterte Vorstand als "Führungszirkel" Medi und alle seine Mitglieder kontrollieren und dirigieren.

Zugleich ist er faktisch nicht mehr aus dem Sattel zu heben. Um diesen "Führungszirkel" substantiell zu kontrollieren, reichen Wahlen in entsprechenden Zeitabständen nicht aus. Vielmehr ist ein unabhängiges, von den Mitgliedern gewähltes echtes Überwachungs- und Kontrollorgan gegenüber dem erweiterten Vorstand unverzichtbar. Dies wäre beispielsweise ein mit substantiellen Rechten ausgestatteter Aufsichtsrat.

Hinzu tritt der Umstand, dass die Führung der VV und der KV als Gesellschafter von Medi in der Person des Kollegen Baumgärtner vereint ist. Dies beinhaltet in Verbindung mit den vorhergehenden Ausführungen eine Machtkonzentration, die unabhängig von jeder Person nicht akzeptabel ist.

Besorgniserregend ist ferner, dass Medi schon in der frühen Phase der Gründung ein ausgesprochen rigides Vorgehen gegenüber kritischen Stimmen zeigt. Auch wir waren bereit, mit Medi zu sprechen, wurden aber wie andere zurückgewiesen. Daraus kann geschlossen werden, mit welchen Reaktionen bei abweichenden Meinungen später bei Medi zu rechnen ist. Hier scheint zugleich eine Methodik auf, die sich wie eine roter Faden auch durch Konstruktion und Vertragswerk zieht.


2. Zielrichtung der GenoGyn-GenoMed

Um nicht missverstanden zu werden: Wir wenden uns gegen Medi nicht aus berufspolitischen Gründen. Die Verfolgung dieser Ziele ist bei den Berufsverbänden gut aufgehoben. Wir sind eine Wirtschaftsgenossenschaft und unsere Aktivitäten zielen auf die konkrete wirtschaftliche Förderung unserer Mitglieder.
Wir wollen unsere Genossenschaft und ihre heutigen und künftigen Mitglieder für die Zukunft im schnell wachsenden Gesundheitsmarkt unternehmerisch richtig positionieren.

Eine Neuorganisation ärztlicher Leistungen in einem Verbundsystem muss zu Kreativität und Eigeninitiative ermutigen und verstärkt unternehmerische Anstrengungen zur Steigerung wirtschaftlicher Effizienz medizinischer Leistungen aktivieren. Medi spricht eine vollständig andere, nicht unternehmerische, sondern eine überholte, dirigistische Sprache. Ein derartiges dirigistisches Konzept kann nicht unternehmerisch erfolgreich sein. VV und KV bieten "alten Wein in neuen Schläuchen". Wir treten daher diesem Konzept im wirtschaftlichen Interesse unserer heutigen und künftigen Mitglieder entgegen.

Wir stellen uns in freiem Wettbewerb und werden Medi im Sinne der Grundideen unserer Genossenschaft ein unabhängiges Verbundsystem für alle Arztgruppen und Psychotherapeuten gegenüberstellen. Die Vorbereitungen laufen. Dabei geht Sorgfalt vor Schnelligkeit. Unsere Strategien werden sich ableiten aus einem Konzept

  • das eine strikte Dienstleistungsorientierung gegenüber den Patienten beinhaltet,
  • das im Sinne dieser Dienstleistungsorientierung strikten Qualitätsmaßstäben folgt,
  • das als Ganzes nach Grundsätzen modernen Managements unternehmerisch und wirtschaftlich effizient ausgerichtet ist und die Regeln der Wirtschaftlichkeit und des Marktes akzeptiert,
  • das derzeit noch nicht unmittelbar auf wirtschaftlichen Wettbewerb zielt, aber in der Lage ist einen solchen Wettbewerb jederzeit und kraftvoll aufzunehmen,
  • das ein faires Miteinander aller Mitgliedergruppen vorsieht,
  • in das sich die einzelnen Mitglieder als freie Partner mit einem Höchstmaß an Eigenverantwortlichkeit einbringen und ihre Rechte individuell durch Regelungen und Kollektiv durch Gestaltung der Verbundorgane soweit wie möglich abgesichert werden.

Wir werden Sie zu gegebener Zeit weiter informieren.

3. Appell unserer Genossenschaft

Obwohl von Medi ein massiver Beitrittsdruck aufgebaut wird, besteht kein Anlaß für übereilte Entscheidungen in "Torschlußpanik", wohl aber zur Wachsamkeit nach innen und außen. Außen sind wichtige politische Grundentscheidungen der Gesundheitsreform 2000 noch offen. Nach innen gilt es, nicht in die Abhängigkeit eines Verbundsystems zu geraten.

Auch wer bereits Medi beigetreten ist, wird erst mit unserem Verbundsystem eine freie Wahl für das überzeugendere Konzept haben. Die Kündigungsfrist bei Medi beträgt sechs Monate zum Quartalsende.

Wir appellieren an alle Kolleginnen und Kollegen; wägen Sie Ihre Entscheidung im Zusammenhang mit einem Verbundsystem sorgfältig und bedenken Sie, in welchem Umfeld Sie persönlich künftig Ihren freien Arztberuf ausüben wollen.

Sie sind eingeladen, jederzeit Anmerkungen, Hinweise, Fragen oder Kritik an unsere Geschäftsstelle zu richten.

Mit freundlichen kollegialen Grüssen

GenoGyn-GenoMed eG.
Der Vorstand

Dr. med. Renate Wiesner-Bornstein                    Dr. med. Gerhard Schmid

Und hier das Original des GenoGyn-GenoMed-Vorstandsschreibens vom 22.09.1999.

Rundschreiben der GenoGyn-GenoMed e.G. vom 22.09.1999, Seite 1

Rundschreiben der GenoGyn-GenoMed e.G. vom 22.09.1999, Seite 2

Erläuterung der MEDI-Struktur
 

Struktur von MEDI
Und  *hier geht es zum Mitgliederrundschreiben Nr. 10 vom 12.10.1999.

 

© 1999 Redaktion MEDI-Report.
Wiedergabe auf medi-report.de mit freundlicher Genehmigung des Vorstands der GenoGyn-GenoMed e.G.